Reisetipp des Monats – Næsbydale Badehotel

Reisetipp des Monats – Næsbydale Badehotel

Mit Blick auf den Limfjord: Næsbydale Badehotel

Ein verwittertes Holzschild weist in Richtung Badehotel und die Straße endet auf einem Parkplatz oberhalb des Tales mit Blick auf den Limfjord – die Inseln Livø und Fur mit ihrer prägnanten Steilküste in der Ferne. Ab hier nur noch Weiterfahrt für Besucher des Badehotels am Ende des gewundenen steilen Weges.

Auf der Terrasse gibt es Kaffee und köstlich aussehende Kuchenstücke auf Porzellan mit historischen Mustern. Ein schmaler Säulenumgang umspielt die Rundung des Hauses. Im Umgang stehen Korbstühle mit bunten Kissen und kleinere Klapptische aus Holz. Hier sehe ich mich schon nachher sitzen und diese einzigartige Aussicht, die man von der gesamten Vorderseite des Hauses hat, genießen.

Velkommen til!

Neben dem Eingang steht ein Strauß vertrockneter gelber Blumen in einer blauen Blechkanne. Ich öffne die Tür und trete herein.

Französische Musik ertönt dezent aus den Lautsprechern, schräg gegenüber des Eingangs eine kleine Theke, mein Blick fällt sofort auf die Kuchen, die hinter Glas aufgebaut sind. „Velkommen til!“ – Mogens kommt mir entgegen und begrüßt mich. Er hat zusammen mit Vibeke das Badehotel 2016 übernommen.

Neben dem Raum mit Tresen und Kasse gibt es noch drei weitere Gasträume, der größte von ihnen beherbergt eine beachtliche Vinothek und eine kleine Bar. Von jedem der Räume hat man einen Ausblick auf dieses schöne Tal, das Næsbydale, hinunter zum Limfjord und trotzdem gehe ich staunend durch die Räume: Jeder von ihnen liebevoll möbliert. Antike Stühle, Tische und Sessel. Die Tische ohne Tischdecken, vereinzelt Kerzenleuchter aus Messing, wie ich sie von zuhause früher kenne. Im mittleren Raum ein Kamin. Die Wände in einem Zustand, der nach andauernder Renovierung aussieht, der blanke Putz, teilweise verfärbt.

Eine ganz besondere Atmosphäre, die mich sofort begeistert.

Die Geschichte des Badehotels

Über das Gebäude, das hier am Ende des V-förmigen Tales in der Moränenlandschaft steht, erzählt man sich folgende Geschichte: Als im Sommer 1914 Baron Otto Reedtz-Thott mit seiner Gemahlin Gudrun auf dem Limfjord segelte, kamen sie an diesem Tal vorbei und schon der Blick vom Fjord genügte der Baronin, um sich in dieses schöne Tal zu verlieben.

Baron Reedtz-Thott kaufte das Land und heuerte einen Freund, den Architekten Jens Ingerslev aus Kopenhagen an, einen Sommersitz – er nannte es ein Minischloss für die Baronin – zu bauen.

1918 wurde Baronens Hus – das Haus des Barons – fertiggestellt, doch leider erlebte die Baronin die Fertigstellung nicht mehr. Sie starb 1917 und aus Kummer über den Verlust seiner Frau benutzte der Baron das Anwesen nie als Ferienresidenz.

Nach dem Tod des Barons verkaufte sein Erbe das Haus an lokale Enthusiasten – im Dänischen klingt Enthusiast viel schöner: ildsjæl bedeutet wörtlich „Feuerseele“ – , die das Haus 1930 – ganz im Trend der Zeit – zu einem Badehotel umfunktionierten. Gleichzeitig wurde das schöne Tal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Das Badehotel wurde bis in die 1950er betrieben, und in dieser Zeit auch mit einem Restaurant erweitert. Mit dem Pferdewagen hierher gefahren, wurden hier Feste gefeiert, unter freiem Himmel in den Dünen gesungen, getrunken und gegessen. Næsbydale war ein beliebter Ort und die Menschen kamen von nah und fern auf ihrem Sonntagsausflug hierher.

Fast so schön wie zuhause

Meine Begeisterung für den Ort , die sich ob der Geschichte über dieses Gebäude noch gesteigert hat, wird aber noch in weitere Höhen getrieben als ich eines der vier Appartements betrete.

Im Wohnzimmer, das man von der Veranda betritt, wird der Stil der Gasträume fortgeführt: individuell und liebevoll. Sitzecke mit Plüschsofa, ein selbstgebautes Himmelbett sowie die Aussicht in das Næsbytal machen den Raum einzigartig.

Vom Wohnraum gelangt man in eine gut ausgestattete Küche, von dort aus in einen kleinen Flur, von dem man Zugang zu einem Bad mit Dusche sowie einem Schlafzimmer mit Doppelbett und großem Schrank hat. Ich habe ein bisschen Angst, gleich aufzuwachen…

Zu allem Überfluss sieht der Kuchen, den ich im Korbsessel auf der Terrasse probiere – nachdem ich durch das Tal zum Fjord gelaufen bin, ein paar Steine übers Wasser habe flitschen lassen, mich dreimal in die Wange gekniffen habe und nicht aufgewacht bin – nicht nur köstlich aus, er ist es auch noch!

Am Abend kocht Mogens und nach Absprache kommt man selbst auch in diesen Genuss. Es gibt Porchetta mit Kartoffelvariationen (vorweg einen Salat und hinterher Eis) und es schmeckt genau so wie Mogens‘ Augen vor Freude funkelten als er mir davon am Nachmittag erzählte: schlichtweg großartig.

Und auch beim Wein, den er dazu empfiehlt, beweist der Koch bestens, dass er weiß, was er tut. Es ist ein bisschen so als äße man bei guten Freunden, die man noch gar nicht gut kennt. (Ähnlich ist es auch beim Frühstück – ein kleines Buffet, frisch aufgebrühter Kaffee, Käse, Wurst, frisch zubereitetes Rühr- oder Spiegelei. Zuhause. Wäre da nicht dieser phantastische Blick ins Tal und auf den Fjord.

Bleibt mir nur noch zu erzählen, dass ich den Abend mit einem Glas Wein auf der Terrasse verbracht habe. Und dass es, wenn es dunkel wird im Næsbydale, noch ruhiger wird als es sowieso schon tagsüber ist. Stille.

Es ist ein ganz besonderer, großartiger Ort, dieses Næsbydale Badehotel. Mit viel Charme, unvergesslicher Atmosphäre, großer Liebenswürdigkeit und jeder Menge Enthusiasmus -eingebettet in außergewöhnlicher Natur. In diesen Ort muss man sich einfach verlieben. Ich jedenfalls habe es getan.

 

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