Kapidaenin spørger…Tim Uhlemann – Teil 2 des Interviews

Weiter geht es mit Teil zwei meines Interviews mit Tim Uhlemann, Autor des gerade bei Dänemark-Freunden sehr beliebten Buches Dänemark – Gekommen, um zu bleiben.

Tim plaudert darin aus dem Nähkästchen und bringt so vielen, die Auswanderer-Träume hegen, das Land Ihrer Begierde ein Stück näher. Und plaudern tut er auch hier – prølihørher!

Wie empfindest Du deutsche Urlauber in Dänemark?

Natürlich pauschaliert man bei der Beantwortung einer solchen Frage- aber wie empfindest Du es z.B., wenn jemand versucht, Dänisch zu sprechen? Welchen guten Tipp hast Du diesbezüglich für deutsche Touristen?

Bezogen auf meine Arbeit in der Ferienhausbranche muss ich sagen; Deutsche Gäste sind viel besser als ihr Ruf.

Tennissocken, zu laut, zu arrogant, haben zumindest bei uns nichts mit der Realität zu tun. Natürlich wird sich schon mal verbal durch unser Büro gesäbelt, da wird gebabbelt und geschwätzt, dass es der Däne meint, es hier mit Außerirdischen zu tun zu haben. Natürlich gibt es diese Gäste, die sich an Lächerlichkeiten hochziehen, anstatt entspannt ihren Urlaub zu genießen. Gäste, die systematisch Möbel abrücken, um den Staub dahinter zu dokumentieren.

Lustigerweise werden diese Gäste oft zu Stammgästen. Aber was wäre denn der Dienstleister ohne den Kunden. Und wir alle in der Ferienhausbranche sollten uns glücklich schätzen ob solcher Gäste – klaglos erdulden diese auch Wetterlagen, die jeden Tourismusmanager in der Karibik den Schlaf rauben würde.


Unser Motto gilt auch weiterhin: Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger.

Die Kunst besteht darin, den Gast emotional zu binden. Der Kunde, der gerade im Büro steht oder mit dem man soeben telefoniert, ist immer der wichtigste.

Schlechte Laune gibt es nicht, zumindest nicht vor dem Gast. Man glaubt gar nicht, wie oft sich Gäste bei einem ausweinen. Oft werden uns wie bei Barmännern therapeutische Fähigkeiten zugerechnet. Ein insgesamt hochinteressanter Beruf und in der Hochsaison ist kein Tag wie der andere.

An alle Gestressten da draußen: Das Ferienhaus ist das Gegenmodell des hektischen Alltags. Das Ferienhaus schafft einen Rahmen, nach dem sich immer mehr Menschen sehnen. Verloren geglaubte Lebensqualitäten kommen zurück: Zeit, Muße, Langeweile, pure Entspannung. Ein dänisches Ferienhaus gibt viel von dem zurück, was der stressige Alltag nimmt.
Aus Erfahrung kann ich nur sagen: Der Däne freut sich immer wie ein kleines Kind, wenn jemand versucht, sein VHS-Dänisch an die Frau oder den Mann zu bringen. Das zaubert jedem Dänen ein Lächeln ins Gesicht und ist steter Quell der Freude.

Was unterscheidet die Dänische von der deutschen Mentalität? Was ist Deiner Meinung nach der Größte Unterschied?

Der Däne ist schon gelassener, ausgeglichener.

Vielleicht ein Beispiel: Der Deutsche opfert gerne seine Gesundheit, um Geld zu verdienen. Wenn er es hat, opfert er sein Geld, um seine Gesundheit zurückzuerlangen. Er ist also so auf die Zukunft fixiert, dass er die Gegenwart nicht genießt. Ich glaube, da tickt der Däne anders. Der Däne lebt mehr, lebt bewusster in der Gegenwart – Stichwort Work-Live-Balance.

Es gibt weniger Hierarchie am Arbeitsplatz, weniger Ellbogengesellschaft und das DU erleichtert definitiv den Umgang miteinander.


Der Däne an sich ist einfach ein sympathischer Menschenschlag. Zum Beispiel die Gelassenheit der Menschen – auch im Vollrausch selten aggressiv. Der Patriotismus der Menschen, der von absolut freundlicher Art ist. Der Däne ist einfach ein schamloser Patriot, der sein Land über alles liebt. Der aber nie gewaltsam jemand anderen davon überzeugen wollen würde. Der Däne kann sich leisten, ein ungebrochenes Verhältnis zu sich selbst und seiner Geschichte zu haben.


Auf die Frage, wie es dir geht, würde ein Däne nie antworten: Schlecht! Die Beschreibung von Befindlichkeiten kommt in Dänemark nicht gut an. Vielleicht ist das der größte Unterschied. Der Däne klagt weniger, weniger Neid und Gejammer machen glücklich.


Natürlich ist das mein persönlicher Eindruck, aber wenn man die Menschen eines Landes beschreibt, muss man immer ein wenig pauschalisieren.

Kannst Du noch ohne Hygge?

Das Wort Hygge ist ja in aller Munde. Man könnte meinen, das Wort wäre eine geniale Erfindung des dänischen Tourismusverbandes. 2016 landete das Wort sogar auf der Auswahlliste als britisches Wort des Jahres. Den Begriff Hygge gibt es im dänischen bereits seit Jahrhunderten.
Hygge ist Dänemark. Lebensgefühl, Lebenskultur, Geborgenheit. Natürlich auch Gemütlichkeit, Kerzenlicht, Kaminofen. Das, was man macht mit Freunden, mit der Familie. Da, wo man sich wohlfühlt – Gemeinschaft und Sicherheit erlebt. Das alles ist Hygge! Um ehrlich zu sein, ich möchte auf die sprichwörtliche “Hygge” nicht mehr verzichten.

Welche Botschaft hast Du an Deine Leser und alle Dänemark-Fans?

Es gibt, glaub ich, keinen Deutschen, oder nur ganz wenige, die bei dem Gedanken an Dänemark, keine positiven, angenehmen Gefühle assoziieren.

Ich glaube, da spricht man auch vom Bullerbü-Syndrom, die Sehnsucht nach der heilen Welt des Nordens. Dänemark steht für Gemütlichkeit, Sicherheit, Wohlstand, nahezu Vollbeschäftigung, viel Raum für Individualität…kurzum: Mit Dänemark bringt man nur positive Dinge in Verbindung.

Wecke den Dänen in dir!

Hinzu kommt, Dänemark ist ein sehr sicheres Reiseland. Laut einer Studie von VisitDenmark in HH überlegen 10 Millionen Deutsche, Dänemark innerhalb der nächsten 3 Jahre zu bereisen – ich kann es nur allen empfehlen.


Meine Botschaft an die Leser? Ein bisschen Dänemark wird jedem von uns guttun. Dänemark zu lieben, ist der Anfang einer lebenslangen Leidenschaft. Wecke den Dänen in dir. Lebe es. Liebe es.

Falls Ihr den ersten Teil des Interviews mit Tim verpasst habt, könnt Ihr es hier nachlesen.

Tims Buch Dänemark – Gekommen, um zu bleiben ist im Lau Verlag erschienen. Erhältlich ist es im Buchhandel vor Ort oder


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