Ein Tag im Skagens Museum

Ein Tag im Skagens Museum

Ein Tag im Skagens Museum

 

Anfang 2016 wurde das frisch renovierte und durch einen modernen Anbau erweiterte Skagens Museum wiedereröffnet und erst jetzt komme ich dazu, es mir genauer anzusehen! Schande! Aber ich verspreche – so lange Zeit lasse ich nicht erneut vergehen, um diesem wunderbaren Museum einen Besuch abzustatten.

Das 1928 fertiggestellte, vom bekannten Architekten Ulrik Plesner entworfene Backsteingebäude ist das ursprüngliche Skagens Museum. Heute bildet es zusammen mit dem modernen neuen Teil des Museums einen harmonischen Gesamtkomplex – gleichberechtigt steht hier Neu und Alt nebeneinander und ergänzt sich in vorbildlicher Architektur.

Skagens Museum
Skagens Museum

 

Anfänge des Museums in Skagen

Niemand ahnte wohl Ende des 19. Jahrhunderts, was einmal aus Skagen werden würde. Damals war Skagen noch ein beschauliches Dorf mit knapp 2000 Einwohnern. Ein Hafen existierte noch nicht und die Bahnstrecke wurde erst im Jahr 1890 bis in den Ort an der Spitze Jütlands erweitert. Die Anreise in den äußersten Norden war beschwerlich.

Dennoch besuchte im Jahre 1872 ein Maler und Dichter dieses kleine Fischerdorf – und das war Holger Drachmann. Ihm taten es in den folgenden Jahren junge Künstler nach, die sich alle an der Kunstakademie in Kopenhagen kennengelernt hatten und damit nahm die Künstlerkolonie in Skagen seine Anfänge. Die Gründung von Künstlerkolonien war allerdings kein dänisches, geschweige denn jütisches Phänomen: an vielen Orten lockten ländliche Gegenden durch ihre Beschaulich- und Ursprünglichkeit Maler zum Malen in der freien Natur und Leben auf dem Lande.

Am 20. Oktober 1908 beschlossen die Künstler Michael Ancher, P.S. Krøyer und Laurits Tuxen, der Hotelbesitzer Degn Brøndum sowie der Apotheker Victor Klæbel die Gründung des Skagens Museum. Im alten Garten des Hotels wurde gebaut und noch heute sind dort zwei mittlerweile denkmalgeschützte Gebäude zu sehen: das Havehuset, in dem das Ehepaar Anna und Michael Ancher die ersten Jahre nach ihrer Heirat lebte sowie das alte Kornmagazin, das P.S. Krøyer als Atelier nutzte.

 

 

Skagens Museum
Skagens Museum Eingang

 

Eine breite Treppe führt heute ein paar Stufen hinauf zum großzügigen Eingang des Neubaus. Davor stehen zwei der Gründer des Museums – wie schon früher vor dem alten Eingang im Backsteingebäude – wie zwei, die über ihren Schatz wachen: Michael Ancher und PS Krøyer. Der Eingangsbereich ist hell und luftig – großzügig wird man hier willkommen geheißen – auch durch die gut gelaunten Mitarbeiter.

 

Skagens Museum
Skagens Museum

 

Taschen und Rucksäcke müssen – wie überall üblich – eingeschlossen werden. Bei den zahlreichen Schließfächern entdecke ich bereits mein erstes Fotomotiv – denn fotografieren ist ohne Blitz erlaubt. Hier gibt es einen großen Spiegel, der mit zwei bekannten Motiven (ein Fischer und Marie Krøyer – und, fast vergessen – ein Hund) beklebt ist und man sich quasi zwischen den Dreien fotografisch verewigen kann.

 

Die permanente Ausstellung

Die permanente Ausstellung, die im alten, komplett renovierten Teil des Museums untergebracht ist, schaue ich mir als erstes an.

 

Skagens Museum
Skagens Museum

 

Diese lichtdurchfluteten Räume sind ein großartiger Rahmen für die Werke, die hier gezeigt werden. Eine begehbare Galerie im ersten Stock macht es möglich, die Haupträume samt den in ihnen gezeigten Kunstwerke auch von oben zu bewundern.

Einige Gemälde, die einzeln an den Stirnwänden der rechteckigen Räume platziert sind, werden durch farbige Wände besonders hervorgehoben. Hier gibt es sehr gute Hintergrundinformationen zu den einzelnen Bildern (und auch als Übersetzung!).

Zum Beispiel erfährt der Besucher etwas über Krøyers bekanntes Bild „Skt Hansblus ved Skagen Strand“ – wer ist darauf zu sehen? Fast alles sind bekannte Persönlichkeiten aus Skagen … und wer steht da, etwas abgesondert von den anderen, neben Krøyers Ehefrau Marie?

 

Skagens Museum
Skagens Museum, Skt Hansblus ved Skagen strand

 

 

Oder setzt Euch einfach mal vor eines der Landschafts- oder Bilder vom Meer und lasst es auf Euch wirken. Löst das Betrachten des Bildes bei Euch etwas aus? Woher kommt das Licht auf dem Bild? Ist es Abend oder ist es ein Augenblick des Tages, den der Maler einfängt? Was denkt Ihr, war es warm?

 

Lässt man sich auch nur ein wenig ein auf die vielen Geschichten, die Bilder – und besonders diese Bilder im Skagens Museum – zu erzählen haben, wird es plötzlich sehr lebendig. Ihr könnt erfahren, wie das Rettungswesen zu dieser Zeit ausgesehen hat, was bedeutete es, einen Ertrunkenen nach Hause zu bringen – oder gebracht zu bekommen ?

 

Skagens Museum
Skagens Museum, Den Druknede

 

Vielleicht lest Ihr etwas über das wunderbare Portrait Holger Drachmanns, das Krøyer ein Jahr vor seinem Tod von ihm anfertigte und warum die beiden Künstler bei dieser Arbeit in Streit gerieten. Teilweise benötigten die beiden sogar einen Schlichter in Person von Michael Ancher für diese Sitzungen. Ancher hat die Arbeit Krøyers an dem Drachmann-Portrait fast dokumentarisch auf einem seiner Gemälde verewigt.

 

Skagens Museum
Skagens Museum, Ved kaminilden

 

Etwas versteckt könnt Ihr zwei Bilder sehen, von denen eines während der Aktion FAKE entstanden ist – wie schwierig ist es, ein Original von einer Fälschung zu unterscheiden?

 

Skagens Museum
Skagens Museum, FAKE

 

Ich liebe diese Atmosphäre im Skagens Museum – es war schon immer etwas Besonderes und auch Renovierung und moderne Erweiterung haben dieser ganz speziellen, auf eine helle, lichte Weise ehrwürdigen Stimmung keinen Abbruch getan – im Gegenteil. Zusätzlich entfalten die vielen Geschichten um Maler und die Kunstwerke einen Sog, dem ich mich nur schwer – eigentlich gar nicht – entziehen kann.

 

Skagens Museum
Skagens Museum

Die Galerie erlaubt noch mal einen ganz anderen Blick – von oben betrachtet ist man sich selbst seiner Rolle als Betrachter sofort bewusst. Als Außenstehender – ein anderes Gefühl als direkt vor einem Bild zu stehen.

Ich frage mich, was wohl das ältere Paar denkt, das dort vor Anchers Bild sitzt und flüsternd diskutiert.

 

Skagens Museum
Skagens Museum

 

Für Schwiegermütter und Kinder

Von der Galerie aus gelange ich zu einer kleinen, sehr feinen Ausstellung, die SVIGERMOR – Schwiegermutter – betitelt ist und sich mit Michael Anchers Beziehung zu Ane Brøndum, der Mutter seiner Frau Anna, befasst.

 

Außerdem ist hier ein kleines „Atelier“ für Kinder eingerichtet und ich bedaure mal wieder, dass ich erwachsen bin (und mich so benehmen muss, also meistens jedenfalls – anderenfalls würde ich mich nämlich auch gerne hier hinsetzen und malen. So gut ich kann eben.).

 

Skagens Museum
Skagens Museum

 

Kleine Anmerkung am Rande: im Museumsshop – der btw richtig schön und sehr gut – viel zu gut – bestückt ist – gibt es für Kinder eine Billedjagt – eine Bilderjagd. Hier müssen Aufgaben gelöst werden, Details gefunden und entsprechende Kreuze gesetzt werden. Seine Bilderjagd kann man im Shop wieder abgeben und hat – bekommt man einen Stempel und Wohlwollen der „strengen Richter“ – die Chance auf einen kleinen Gewinn. (ich sag ja, ich möchte Kind sein manchmal!)

 

Skagens Museum
Skagens Museum, Kinderbilder

 

Funfact: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben gratis Eintritt im Museum. (ich wiederhole mich jetzt aber nicht schon wieder)

 

Michael Ancher und die Frauen

 

Skagens Museum
Skagens Museum, Sonderausstellung

 

Die Sonderausstellung, die noch bis 26. August im neuen Anbau des Museums zu sehen ist, trägt den Titel Michael Ancher und die Frauen.

Michael Ancher, der vor allem bekannt für Porträts und monumentale Bilder der Fischer aus Skagen ist, beschäftigte sich auch mit der Darstellung von Frauen – seine Frau Anna war bevorzugtes Model. Von ihr schuf er mehrere Großporträts – aber auch die gemeinsame Tochter Helga sowie seine Schwiegermutter Ane Brøndum wurden häufig von ihm porträtiert.

 

Skagens Museum
Skagens Museum

 

Die Ausstellung zeigt ausdrucksvoll die Entwicklung, die Ancher als Künstler durchlebte – sowohl, was Licht und Farbgebung betrifft als auch die Konzeption seiner Frauenporträts. Gemalt hat er Frauen der besseren Gesellschaft, einheimische Fischerfrauen und auch das bekannte Skagenspigen – das Mädchen aus Skagen.

Zu der Sonderausstellung gibt es eine kostenlose App, die durch die Sammlung führt, empfehlenswert ist auch eine Führung durch einen der Museumsmitarbeiter, bei der man viele der spannenden Geschichten , die es zu den Bildern der Skagensmalern gibt, erfahren kann.

 

Skagens Museum
Skagens Museum

 

Oder Ihr lest einfach bei mir weiter – nächstes Mal nehme ich Euch mit ins Anchers Hus.



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