Dänemarks 5 Nationalparks: Skjoldungernes Land

Dänemarks 5 Nationalparks: Skjoldungernes Land

Der Nationalpark Skjoldungernes Land ist der erste Nationalpark auf Seeland und wurde 2015 eingeweiht.

Der 170 Quadratkilometer große Park liegt inmitten Seelands bei Roskilde und Lejre und ist nur 30 Minuten Fahrt von der Hauptstadt Kopenhagen entfernt.

Einzigartige Natur, großartige Kulturgeschichte und einige der schönsten Landschaften ganz Dänemarks zeichnen den Park aus – unter anderem sind hier 62 Quadratkilometer Fjord und 99 km Küstenlinie zu entdecken.

Bognæs, luft, okt. 2014 01
Bognæs. Photo: Ole Malling

Sagenhafter König als Namensgeber von Skjoldungernes Land

Benannt wurde der Park nach dem sagenhaften Königsgeschlecht der Skjoldungen , den Nachfahren des mythischen Königs Skjold, der – wie die Sage berichtet – direkt von Odin selbst – er war nämlich Odins Sohn – zu den Dänen gesandt worden ist.


Die Skjoldungen werden in mehreren Werken erwähnt – unter anderem in Saxos Dänemarkchronik Gesta Danorum, in isländischen Sagas wie auch im altenglischen Heldengedicht Beowulf und alle verbinden das Königsgeschlecht der Skjoldungen mit Lejre.


In Lejre (genauer gesagt in Gammel Lejre, also „Alt-Lejre“) wurden durch die letzten Jahrzehnte hindurch etliche großartige Funde ausgegraben und eine Besiedlung seit der Steinzeit an diesem Ort nachgewiesen. Große Hallen aus Eisen- und Wikingerzeit , Schiffssetzungen, kostbare Schätze und Artefakte belegen ein größeres Reich, das hier existiert haben muss.

Gl. Lejre, Skibssætning, okt. 2015 01
Schiffssetzung Gammel Lejre. Photo: Ole Malling

Ob die Häuptlinge oder Könige, die hier nachweisbar wohl 500 Jahre geherrscht haben, nun Skjold, Frode Fredegod, Rolf Krake oder Roar geheißen haben mögen, kann man nicht mehr feststellen – offenbar aber gibt es einen wahren Kern in all den Sagen, die um diesen Ort existieren.

Fjordstien mellem Ordrup og Tempelkrog, cyklister, fril#1800
Weg entlang des Fjordes zwischen Ordrup og Tempelkrog. Photo: Ole Malling

Skjoldungernes Land ist so abwechslungsreich und voller Erlebnisse, dass es unmöglich ist, alles in einem Artikel zu erfassen. Besucht man den Nationalpark, hat man viele Möglichkeiten, ihn zu erkunden, zu erleben und einfach zu genießen.

Wander- und Fahrradwege sowie exzellente Mountainbikestrecken laden ein, die großartige Natur zu erkunden. Natürlich geht das auch auf dem Rücken der Pferde auf einem der markierten Reitwege. Es gibt auch Möglichkeiten, den Nationalpark vom Wasser aus zu erkunden, mit Kajak und Kanu oder aber man taucht mit einer geführten Tour ein in die Welt der Hobbyornithologen. Eine Besonderheit ist die Trækfærge über den Kornerup Å – hier muss man sich per Muskelkraft über den Fluss ziehen.

Jyllinge, jan. 2016 03
Hafen von Jyllinge am Roskilde Fjord. Photo: Ole Malling


Im Nationalpark Skjoldungernes Land: Gammel Lejre

Schiffssetzungen und Grabhügel, das Museum sowie die imponierende Königshalle machen einen Besuch in Gammel Lejre zum Erlebnis.

Hier hatte laut der alten Sagen, das erste Königsgeschlecht Dänemarks, die Skjoldungen, ihr Machtzentrum.

Der Ort war nicht willkürlich gewählt – Flüsse kreuzen genau hier und die hügelige Landschaft ließ Bauten zu, die weithin sichtbar waren – und von denen aus man einen guten Überblick hatte. Reste einer über 100 m langen Schiffsetzung aus dem 10. Jahrhundert finden sich östlich des Ortes, insgesamt sind hier noch 28 der aufgestellten Granitsteine zu sehen.

Schiffsetzungen sind Steine, die in Form eines Schiffes gesetzt waren und mit Hilfe derer die verstorbenen ins Reich der Toten gebracht werden sollten. Mindestens vier solcher Steinsetzungen haben laut Archäologen hier existiert.

Gl. Lejre, luft, maj 2012 11
Gammel Lejre aus der Luft. Photo: Ole Malling


Die Hallen aus der Wikingerzeit, die hier ausgebgraben wurden, gehören zu den größten Gebäuden aus der Vorzeit Dänemarks. Die größte Halle – die vermutlich für Feste und zeremonielle Handlungen benutzt wurde – ist 62 Meter lang.


Die Sage von Odins Sohn, König Skjold, ist Ausgangspunkt für die Sage von Lejre als der Wiege Dänemarks. Historisch konnte die Sage niemals bewiesen werden, Funde in Lejre allerdings dokumentieren ein Machtzentrum an diesem Ort schon in der Zeit von 5000 – 1000 v Chr.

Forsøgscentret, pige ved jernalderhus
Mädchen in der Siedlung der Eisenzeit. Photo: Ole Malling

Mysselhøj und Ledreborg Slot – MustSees im Land der Skjoldungen

Der am besten bewahrte Grabhühgel der Region ist der Mysselhøj – der Hügel mit einer einzelnen Eiche darauf. Der Hügel wurde nicht archäologisch untersucht und ausgegraben, man vermutet aber, dass er aus der Bronzezeit stammt.

Gl. Lejre, Mysselhøj, maj

Mysselhøj. Photo: Ole Malling


Südlich von Lejre kann man Dänemarks längste Allee entlang gehen oder auch radeln.

Die Ledreborg Allé, die hauptsächlich von Linden gesäumt wird, führt zum Ledreborg Slot, einem Rokoko-Schloss von 1739. Das Schloss liegt inmitten eines 2006 neu angelegten Barock-Gartens.


Aber auch die Natur hat hier einiges zu bieten – angelegte Wanderwege führen durch eine Landschaft, die in der letzten Eiszeit entstand und sich durch eine besondere Artenvielfalt auszeichnet. Bei Hestebjerg zählte man mehr als 50 verschieden Pflanzenarten auf nur einem Quadratkilometer.

Ledreborg, 03, luft, 2003

Ledreborg. Photo: Ole Malling


Die Halbinsel Bolund – Naturschutz im Skjoldungernes Land


Die Halbinsel Bolund zählt zu den interessantesten Regionen des Nationalparks. Vor allem für Geologen – aber auch Botaniker, Vogelkundler und Fischkenner kommen hier auf ihre Kosten. Diesen Wert erkannte man bereits 1941 und stellte das Gebiet unter Naturschutz.


Viele Geschichten ranken sich um den sogenannten Bolund-Stein. Den mannshohen Stein warf eine Hexe wutentbrannt nach einem Troll, der den Stein an den Kopf bekam und daraufhin im Boden versank, so erzählt man sich. Versetzt man den Stein, kommt der Troll wieder zum Vorschein.

Bolund
Bolund. Photo: Ole Malling

Der Roskilde Fjord – 90 km Küste im Skjoldungernes Land


Der schöne Roskilde Fjord nimmt ein Drittel der Fläche des Nationalparks ein. 90 km Küste mit einer Reihe kleiner gemütlicher Häfen, Inseln und Holme sowie tief blaues Wasser bieten echte Fjordidylle.

Der Fjord ist aufgrund seiner geringen Tiefe und seinen ca. 30 Inseln und Holme ideales Brut- und Rastgebiet für Vögel und somit Vogelschutzgebiet.

Mit einer Größe von 1,4 Quadratkilometern ist die Eskilsø die größte Insel des Fjords und die einzige mit Bewohnern. Auf markierten Wegen darf man die Insel erkunden, an deren nördlichem Ende man die Ruinen eines Klosters aus dem 12. Jahrhundert entdecken kann.

Roskilde Fjord og Domkirken, 30 ok
Roskilde Fjord og Domkirche. Photo: Ole Malling

Roskilde – Hauptstadt im Land der Skjoldungen


Roskilde ist eine der ältesten Städte Dänemarks und ein wichtiger Teil des Nationalparks Skjoldungernes Land.

Hier gibt es viel zu entdecken: mittelalterliche schmale Gassen, Parkanlagen, Museen wie z.B. das berühmte Wikingerschiffmuseum , Kirchen und Klöster und natürlich den Dom, das Wahrzeichen der Stadt. Seit 1995 steht der Dom zu Roskilde auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes.


Der Dom gilt als erste Steinkathedrale Skandinaviens und ist Begräbnisstätte für 21 Könige und 18 Königinnen.

Roskilde Domkirke, jan. 2016 01
Roskilde Domkirche. Photo: Ole Malling


Lange Zeit war Roskilde ein unbedeutender Hafen westlich von Lejre und der Sage nach gründete König Roar die Stadt in der Nähe von „Roars kilde“ -Roars Quelle – in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts.

Harald Blauzahn ließ 980 einen Königshof und eine Kirche aus Holz errichten, an deren Stelle heute der Dom steht. Haralds Sohn Sven Tveskæg erweiterte Stadt und Kirche und 1020 wurde Roskilde Bischofssitz und die Kirche wurde zur Domkirche.

1170 begann Absalon den Bau des Doms aus Backstein, was bis dato einzigartig im Norden war.

Vom Mittelalter bis hinein ins 15. Jahrhundert war Roskilde Königssitz und eine der bedeutendsten Städte Dänemarks.

Bognæs, juli 2011 03 (1)
Blick von Bognæs auf den Dom von Roskilde. Photo: Ole Malling

Der alte Stadtteil Skt Jørgensbjerg mit schmalen Gassen und alten strohgedeckten Fischerhäusern ist ebenfalls einen Besuch wert. Hier ist auch eine der ältesten Steinkirchen Dänemarks aus dem Jahr 1070 zu finden.

Ein Besuch in Dänemarks ältester psychiatrischen Klinik von 1816 ist nur etwas für starke Nerven – das Museum zeigt neben Kunst von Patienten auch historische Behandlungsapparaturen und Klinikinventar. In der alten Kapelle des Hospitals finden Konzerte statt, die alte Mechanikerwerkstatt des Geländes ist als Café umfunktioniert. Unmittelbar in der Nähe befindet sich der sogenannte Kællingehaven, ein kleines schönes Naturgebiet , das an den Fjord angrenzt.


Wissenschaft im Skjoldungernes Land : Sagnlandet Lejre

Das Sagnlandet Lejre ist Freilichtmuseum und Center für experimentelle Archäologie zugleich. Wissenschaftler haben Siedlungen und Dörfer aus verschiedenen Epochen der Geschichte rekonstruiert, um die Lebensumstände der Menschen erforschen zu können. So ist hier ein Lagerplatz der Steinzeit genauso zu sehen wie ein Dorf aus der Eisenzeit, eine Wikinger-Siedlung und ein Hof aus dem 19. Jahrhundert.

Sagnlandet, jernalder - vikingetid 2012-
Sagnlandet Lejre. Photo: Ole Malling



Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Skjoldungernes Land




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