Dänemarks 5 Nationalparks: Kongernes Nordsjælland

Dänemarks 5 Nationalparks: Kongernes Nordsjælland


Der jüngste der 5 Nationalparks in Dänemark wurde 2018 eingeweiht und befindet sich im nordöstlichen Teil der Insel Seeland.
Das Kongernes Nordsjælland – das Nordseeland der Könige – ist mit einer Größe von 263 Quadratkilometern der zweitgrößte Nationalpark Dänemarks. Der Park beherbergt die beiden größten Seen und das viertgrößte Waldgebiet des Landes wie auch zahlreiche historisch bedeutsame Kulturgüter.
Zwei von ihnen wurden unlängst zur UNESCO Weltkulturerbeliste hinzugefügt.

Darüberhinaus sind 70% des Naturparks europäisches Natura 2000 Gebiet. Natura 2000 Gebiete sind besonders schützenswerte Gebiete mit bedrohten, seltenen oder charakteristischen Tier- und Pflanzenarten oder Naturformen.

Die Landschaft des Nationalparks umfasst Steilküsten, Sandstrände, ausgedehnte Waldgebiete und die größten Binnenseen Dänemarks. Ein gut ausgebautes Routennetz für Wander-und Radwege schafft exzellente Voraussetzungen für Entdeckungstouren. Aber auch mit dem Mountainbike, Kanu oder zu Pferde ist man hier bestens unterwegs.

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Parforce Wege im Nationalpark (c) The Newborn Daniel Overbeck

Außerdem findet man im Nationalpark Kongernes Nordsjælland noch heute zahlreiche Spuren der Macht, die Kirche und Könige über Jahrhunderte hinweg über das Land hatten. Schlösser, Kirchen, Klöster und Burgruinen gehören zum kulturhistorischen Erbe dieser Region.

Holger Danske, Hamlet und UNESCO : Kronborg

Seit dem Jahr 2000 gehört Kronborg zum Weltkulturerbe der Unesco.

Erich von Pommern errichtete 1420 hier direkt am Öresund, keine 4 Kilometer vom schwedischen Helsingborg entfernt, die erste Festung, die in den folgenden Jahren hauptsächlich dazu dienen sollte, Zölle von den Schiffen zu erheben, die den Öresund durchquerten.

Im 16. Jahrhundert wurde Kronborg im Stile der Nordischen Renaissance ausgebaut und gilt als eines der schönsten Schlösser dieser Epoche. Es folgten, wie bei Anlagen dieser Art üblich, im Laufe der nächsten Jahrzehnte weitere Aus- und Umbauten. Das Leben auf Kronborg muss voller Pracht und Pomp gewesen sein – nicht nur Aristokraten wussten in der Blütezeit des Schlosses vom prächtigen Kronborg zu berichten, auch Seeleute und Diplomaten erzählten davon. Ein Brand 1629 beendete das höfische Leben auf Kronborg abrupt, es folgten Belagerung und Plünderungen.

Ab 1785 war Kronborg keine königliche Residenz mehr, sondern diente ausschließlich noch militärischen Zwecken. Nachdem 1847 der Sundzoll aufgehoben wurde, verlor Kronborg jedoch seine militärische Bedeutung und 1991 verließ das dänische Militär Kronborg endgültig.

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Herbst im Nationalpark (c) Alex Nyborg Madsen

In den Kasematten unter Schloss Kronborg schläft der in Stein gehauene Holger Danske, jene mythische Sagenfigur, die, sollte das Königreich Dänemark ernsthaft bedroht sein, wieder zum Leben erwachen und gegen den Feind in den Kampf ziehen wird.


Überhaupt sind die Kasematten unter dem Schloss einen Besuch Wert. In diesen düsteren und kalt-feuchten Gängen konnten sich bis zu 1000 Mann samt ihren Pferden bis zu vier Monaten verschanzen. Hier gab es Vorratskammern, eine Schmiede, einen Stall und einen Exerziersaal.

Und dann gibt es da noch eine Berühmtheit, die fast jeder sofort mit Kronborg in Verbindung bringt: Hamlet. Shakespeare verlegt die berühmte Geschichte um den ursprünglich jütlandischen Prinzen kurzerhand nach Kronborg, das seitdem als Heimat des Königssohns gilt.

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Parforce Weg (c) The Newborn Daniel Overbeck

Jagen mit Gewalt : Das Parforcejagd System

Seit 2015 gehört die Landschaft der Parforcejagd zur Weltkulturerbeliste der Unesco. Die Landschaft umfasst die Gebiete Store Dyrehave bei Hillerød, Gribskov und Jægersborg Dyrehave.

Die Parforcejagd, vom französischen parforce „mit Gewalt“ ist eine Hetzjagd, bei der Hundemeute und Jäger zu Pferde Beute bis zur totalen Erschöpfung hetzen, um dann dem Tier durch den König oder einen hohen Adligen den tödlichen Stoß versetzen zu lassen.

Im 17. und 18. Jahrhundert erfreute sich diese Art der Jagd in europäischen Fürstenhäusern größter Beliebtheit. Die Jagdform erforderte neue Jadganlagen mit ebenen, teilweise schnurgeraden Waldwegen und Schneisen, die sternförmig auf ein Rondell zuliefen. Ganze Wälder wurden eigens zu diesem Zweck „hergerichtet“.


Christian V. war es, der hier in den 1680er Jahren inspiriert von Versailles und ganz im Sinne des Barock die Landschaft in ein Paforcejagd System umwandelte.

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Im Morgenlicht (c) The Newborn Daniel Overbeck

Gar nicht alles Käse : Esrum Kloster

Im Jahre 1151 von Zisterziensermönchen gegründet galt das Esrum Kloster (deutsch: Kloster Esrom) damals als das geistige Zentrum des Ordens in Dänemark.

Einige Jahre nach der Reformation verließen die letzten Ordensleute das Kloster und Esrum wurde Eigentum des Königs. Vereinzelte Gebäudekomplexe wurden niedergerissen und ab 1560 war dies für gut 200 Jahre der Sitz des Königlichen Gestüts. Reste des Klosters wurden als Jagdschloss umgebaut. 1717 wurde das Gestüt nach Frederiksborg verlegt und das ehemalige Esrum Kloster durchlebte eine wechselhafte Geschichte bis es schließlich 1997 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Heute sind hier vor allem die Dauerausstellung über das Leben der Mönche im Esrum Kloster sowie der bekannte Heilkräutergarten Anziehungspunkte für Besucher. In der kleinen Apotheke kann man sich informieren über die Anwendung der Kräuter im Mittelalter und im Klosterkeller sollte man nicht verpassen, das Trapistenbier zu probieren.

PS: Der gleichnamige, bekannte dänische Käse geht tatsächlich auf das Kloster zurück und wird noch heute nach einem Rezept des Klosters produziert.

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Auch zum Pausieren ist Platz (c) Tine Uffelman

Schlösser, Schlösser, Schlösser Schloss Fredensborg und Frederiksborg

Schloss Fredensborg, das auch als dänisches Versailles bezeichnet wird, wurde von Frederik IV errichtet. Allerdings hat schon sein Vater Christian V einen Hof in dieser Gegend als Jagdresidenz genutzt. Der Name des Schlosses soll an den zwischen Dänemark und Schweden geschlossenen Frieden nach Ende des Großen Nordischen Krieges erinnern.

Heute wird Schloss Fredensborg üblicherweise im Frühjahr und Herbst von der dänischen Königsfamilie bewohnt; ist die Familie anwesend, findet vor dem Schloss täglich die Wachablösung statt. Während die Innenräume nur im Juli für Führungen geöffnet werden, ist der Park ganzjährig zugänglich.

Das Wasserschloss Schloss Frederiksborg in Hillerød gilt als bedeutendstes Bauwerk der Nordischen Renaissance
Heute befindet sich hier das Dänische Nationalhistorische Museum.


An der Stelle des Schlosses befand sich bereits im Mittelalter ein Gutshof. Das heutige Schloss entstand unter Christian IV, der als baufreudigster Fürst seiner Zeit in Nordeuropa gilt. Durch die von ihm erhobenen Sundzölle hatte er große finanzielle Mittel. Schloss Frederiksborg war sein größtes Schloss.
In der Schlosskapelle werden seit Christian V die Könige gesalbt, auch königliche Hochzeiten finden üblicherweise hier statt.

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Idyllische Orte im Nationalpark (c) Tine Uffelmann

Steinerne Zeugen vergangener Zeiten – Ruinen im Nationalpark

Die Asserbo Slotsruin wurde schon im 12. Jahrhundert von Bischof Absalon errichtet. Nach der Reformation übernahm der König die Burg von Asserbo, die allerdings im 17. Jahrhundert den Kampf gegen den Flugsand verlor. 1849 wurden erste Arbeiten zur Freilegung begonnen, die 1972 vom Nationalmuseum beendet wurden.

Die Ruine der einst stärksten Burg Dänemarks ist die Søborg Slotsruin. Søborg Slot spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte Dänemarks – unter anderem wurde hier Margrethe I. geboren. Lange Zeit diente die Burg auch als Gefängnis. Es handelte sich um eine geschlossene Festung mit Ringmauer und Wassergraben.

Kaum eine andere Burgruine hat Dichter und Schriftsteller so inspiriert wie die Gurre Slotsruin. Grund dafür ist vor allem die Geschichte vom Geist Valdemar Atterdags (Waldemar IV), der hier auf Gurre starb. Er habe, so sagt man, so viel von diesem Ort gehalten, dass ihm der Ausspruch „Gott möge gerne sein Himmelreich behalten, wenn er nur Gurre behalten dürfe“ zugesprochen wird. Nach seinem Tod nun reitet er des Nachts mit seiner wilden Jagdgesellschaft herum – als Strafe Gottes für seine Anmaßung.

Älteste Teile der Burg stammen aus dem 12. Jahrhundert. Man nimmt an dass die Burg unter der Grafenfehde zerstört und dann als Steinbruch benutzt wurde, unter anderem zur Errichtung von Schloss Kronborg.

Auf einer Halbinsel im Arresø, weitab der Hauptwege Nordseelands und völlig isoliert lag Dronningholm. Diese Lage gab Anlass zu unterschiedlichen Vermutungen, vermutlich diente die Burg aber als Art Jagdschloss. Wann genau Dronningholm errichtet wurde, ist unklar, man weiß aber, dass Valdemar Sejr (Waldemar II) Anfang des 13. Jahrhunderts hier eine Burg errichten ließ, die er seiner Frau Dagmar als Morgengabe schenkte. Erstmals direkt erwähnt wird Dronningholm 1342.

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Verwunschene Orte (c) Tine Uffelman

Gribskov

Der Gribskov ist mit einer Größe von 5600 ha das viertgrößte Waldgebiet Dänemarks. Innerhalb Dänemarks ist hier der größte Bestand an freilebendem Damwild zuhause.

Anfangs noch zwischen Kirche und Krone geteilt, ging der Gribskov nach der Reformation über in den Besitz des Königs. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurden die größten Gebiete zur Jagd und als Weiden für das Königliche Gestüt benutzt. Den Gribskov durchzieht auch ein Kanalsystem, das zum Transport von Holz aus dem Wald über den Esrum Sø und Esrum Å bis zum Kattegat diente.


Gebiete entlang des Arresø bieten hervorragende Beobachtungsmöglichkeiten für seltene Rast- und Standvögel. Außerdem gibt es hier einen größeren Bestand an Bibern.

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Stille (c) Tine Uffelmann

Esrum Sø und Arresø

Mit einer Fläche von 39,87 Quadratkilometern ist der Arresø Dänemarks flächenmäßig größter See. Durch einen Kanal ist er mit dem Roskilde Fjord verbunden.
Zweitgrößter See Dänemarks ist der Esrum Sø, an dessen Ostufer das Schloss Fredensborg liegt.

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Gribskov (c) Tine Uffelman

Märchenwald Troldeskov

Der Troldeskov erstreckt sich im westlichen Teil des Tisvilde Hegn. Die knorrigen bis zu 180 Jahre alten Kiefern des Waldes erwecken das Gefühl, sich in einem Märchenwald zu befinden. Die wirklich bemerkenswerten Gestalten der Bäume sind wohl zum einem dem Wind, aber auch einem Schädling zuzuschreiben: Der Kieferntriebwickler, wie er im Deutschen heißt, trieb hier im 19. Jahrhundert sein Unwesen.
Ein Spaziergang durch den Troldeskov regt die Phantasie an, also nicht versäumen!

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Zeit, die Seele baumeln zu lassen (c) Tine Uffelman

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Kongernes Nordsjælland



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