Wer oder was ist eigentlich…Fastelavn

Wer oder was ist eigentlich…Fastelavn

Das Wort Fastelavn ist der dänische Begriff für Karneval und ist verwandt mit den in vielen Regionen Deutschlands gebräuchlichen Begriffen wie Fastnacht, Fassenach, Faslam, Fastelovend (ich nenne hier nur einige) und damit auch mit dem althochdeutschen „fasta“ (Fastenzeit) und ebenfalls althochdeutschen „naht“ (Vorabend, Nacht).

Fastelavnssøndag, Fastelavnsmandag und der Hvide Tirsdag

Ursprünglich war Fastelavn nur der Abend vor dem Beginn der Fastenzeit, in Dänemark wurde es aber sehr rasch üblich (wie auch in Deutschland und anderswo), Fastelavn auf die drei vorangehenden Tage auszuweiten.

Diesen Tagen ist gemeinsam, dass ihre Namensgebung (zumindest früher) alle mit Essen zu tun hatten:
Der Fastelavnssøndag hieß ursprünglich Flæskesøndag, weil man an diesem Tag vorrangig Fleischgerichte aß (flæsk bedeutet „Schweinefleisch“ oder „Speck“). Schließlich war es dies die letzte Chance vor der langen Fastenzeit, in der Fleisch und Weizenmehl verboten waren.

Jedenfalls wenn der Flæskemandag – der heutige Fastelavnsmandag – nicht gewesen wäre, an dem man – Ihr ahnt es schon – ebenfalls nochmal angesichts der kommenden, mageren Wochen Fleisch aß.


Ein alter Volksglaube berichtet sogar von ganzjährig andauernden bösen Rückenschmerzen, kommt man der Fleischvöllerei am Flæskemandag nicht entsprechend nach.


Schließlich folgt der Hvide Tirsdag, dem in vielen Teilen der Erde als letztem Tag vor der Fastenzeit eine besondere Bedeutung zukommt (denkt nur an Mardi Gras, Fettisdagen oder Shrove bzw. Pancake Tuesday)


Auch der Name des „weißen Dienstags“ hat mit dem Essen zu tun – an diesem Tag aß man nämlich vornehmlich weiße Speisen: Eisuppe, Milchsuppe, Weizenmehlbrot – und die noch heute in vielen Varianten beliebten Fastelavnsboller.
Fastelavnsboller sind eigens zu Fastelavn gebackene Hefebrötchen, ursprünglich gefüllt mit Rosinen und Zucker, heute häufig mit einer Vanillecreme oder Remonce. Heutzutage gibt es Fastelavnsboller in Dänemark auch oft als Blätterteiggebäck.

Ein Rezept für Fastelavnsboller folgt! Ist ja noch nicht ganz soweit!

Wusstet Ihr übrigens, dass sich der Begriff Karneval vom lateinischen Carne „Fleisch“ und Vale „Lebe wohl“ herleitet?


Als Mardi Gras (fetter Dienstag) wird der Fastnachtdienstag im französischsprachigen Raum bezeichnet, als Shrove oder Pancake Tuesday bezeichnet man ihn im englischsprachigen Raum und Fettisdagen (Fett-Tag) ist die Bezeichnung des letzten Tages vor der Fastenzeit in Schweden.

Traditionen an Fastelavn

An Fastelavn knüpfen sich zahlreiche Traditionen in Dänemark. Eine davon, die in Deutschland kaum bekannt ist, ist das „Katze aus der Tonne schlagen“:

Slå katten af Tønden.

Dabei wird ein mit Süßigkeiten gefülltes Fass aufgehängt, auf das Kinder rundherum einschlagen und so versuchen, das Fass kaputt zu machen und die Süßigkeiten zu bekommen.

Hierbei wird auch ein sogenannter „Katzenkönig“ (kattekonge wird derjenige, der das letzte Stück aus dem Fass herausschlägt) und eine „Katzenkönigin“ (kattedronning wird derjenige, der dem Fass den Boden ausschlägt) gekürt.


Ursprünglich befand sich eine lebende Katze im Fass. Dieser Brauch ging auf den Volksglauben zurück, dass eine Stadt der Pest entgehen konnte, wenn eine schwarze Katze getötet würde. Schwarze Katzen galten als Gefährten des Bösen und wurden in ein Fass gesperrt, da sie im Dunkeln bleiben sollten. Dieses grausige Ritual hat – so vermutet man – seine Vorbilder in alten Tötungs- und Folterritualen und wurde in den 1830er Jahren verboten.


(Ähnliche Rituale sind auch aus Deutschland bekannt – hier wurden Katzen in das Osterfeuer oder zur Osterzeit vom Kirchturm geworfen.)
Und auch, wenn man heutzutage ohne lebende Katzen die „Katze aus der Tonne schlägt“, so befindet sich doch noch oft ein Bild einer Katze auf oder in der Tonne.

Und zum Glück geht es heute nur noch um die Süßigkeiten.

Anmerkung:
Wer jetzt denkt: Moment mal! Das erinnert mich doch an was! Richtig! Das Slå katten af tønden erinnert sehr stark an die Pinata, bei der aus buntem Pappmaché gestaltete Figuren mit Süßigkeiten gefüllt und dann vornehmlich von Kindern mit verbundenen Augen (ähnlich dem Topfschlagen) mit Stöcken zerschlagen werden. Besonders in Spanien und in spanischsprachigen Regionen ist die Pinata verbreitet, oft auch in Zusammenhang mit religiösen festen wie Ostern, aber auch der Fastenzeit. Angeblich kommt dieser Brauch aus China, wo das neue Jahr mit ähnlichen Ritualen begrüßt wurde. Den genauen Zusammenhang zur dänischen Tradition und was sich genau und wann vermischt hat, kann ich hier allerdings in diesem Rahmen nicht herleiten.

Raslen – das dänische Trick or Treat

Eine weitere Tradition, die dem Trick-Or-Treat an Halloween ähnelt, ist das sogenannte Raslen.

Besonders Kinder ziehen in der Nachbarschaft verkleidet von Haus zu Haus und bitten um Süßigkeiten, Fastelavnsboller oder Geld. Weigert man sich, ihnen etwas zu geben, spielen sie einem einen Streich.


Mit „im Gepäck“ haben die Kinder auch immer Verse, die sie aufsagen oder singen wie zum Beispiel dieses:


Fastelavn er mit navn
boller vil jeg have
Hvis jeg ingen boller får
så laver jeg ballade
Boller op, boller ned
boller i min mave
Hvis jeg ingen boller får
så laver jeg ballade
(und als Antwort)
Boller små, skal I få
så I bliver glade
så vil jeg ikke have
I laver mere ballade


Übersetzt heißt das ungefähr:


Fastelavn ist mein Name
Boller will ich haben
Wenn ich keine Boller bekomme
mache ich Ärger/Krach
Boller hinauf, Boller hinab
Boller in meinem Bauch
Wenn ich keine Boller bekomme
mache ich Ärger / Krach
(als Antwort)
Kleine Boller werdet Ihr bekommen
damit Ihr froh werdet
und ich will jetzt
dass Ihr keinen weiteren Krach macht

Fastelavnsris

Ein weiterer Fastelavnsbrauch ist der sogenannte Fastelavnsris – ein Bund frischer Birkenzweige, an die ausgeschnittene Papier – oder Pappfiguren gehängt werden (gerne auch in Form einer schwarzen Katze).



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