Silvester und Neujahr in Dänemark

Die Weihnachtstage sind gerade vorüber, da kommt schon wieder das nächste Fest um die Ecke. Bestimmt planen einige von Euch schon fleißig, was an Silvester und Neujahr auf den Tisch kommen wird. Einkaufszettel werden geschrieben und abgearbeitet, einige werden vielleicht viel Zeit in der Küche verbringen, um etwas ganz Besonderes zu servieren. Der ein oder andere wird sich Gedanken um die Getränkeauswahl oder um ein „Unterhaltungsprogramm“ machen – Sendetermine für Dinner for One checken und das Set fürs diesjährige Bleigießen hervorkramen.

Da lohnt es sich vielleicht, mal einen Blick gen Norden zu richten. Was machen denn die Dänen an Silvester und Neujahr eigentlich?

Die Neujahrsansprache der Königin

Die königliche Neujahrsansprache ist ein absolutes Muss und quasi ein nationales Ereignis in Dänemark.

Punkt 18 Uhr lauscht am Silvesterabend ganz Dänemark den Worten Margrethes II. und oftmals ist diese Rede Startpunkt für Partys und Feierlichkeiten zum neuen Jahr. Die im Dänischen Nytårstale genannte Rede wurde 1940 in Dänemark eingeführt und ein Jahr später erstmals von einem Monarchen, damals war es Christian X., gehalten. Erstmals im Fernsehen übertragen wurde die Neujahrsansprache des Königs im Jahre 1958, damals Frederik IX.


Im Internet kann man die Rede Margrethes II. hier live mitverfolgen:


https://nyheder.tv2.dk/2019-12-20-dronningens-nytaarstale-2019-se-den-her

Hier die Nytårstale 2019:

Die Glocken des Kopenhagener Rathauses

Sowohl DR als TV2 übertragen zum Jahreswechsel die zwölf Glockenschläge des Kopenhagener Rathauses – und so lange sie dies tun, währt auch schon die Diskussion darüber, welcher der Glockenschläge nun eigentlich exakt den Übergang zum neuen Jahr markiert. Zum Glück ist man sich seit einiger Zeit ziemlich einig darüber, dass es wohl der erste Schlag ist, mit dem das alte Jahr endgültig vorbei ist.


Erstmals zur Begrüßung des neuen Jahres ertönten die Glocken des Kopenhagener Rathauses in der Nacht zum 1. Januar 1900.

An die Glockenschläge des Kopenhagener Rathauses schließt sich Musik an – und das ist sicher. Sowohl, was die Auswahl der Lieder als auch die Reihenfolge angeht.

Ein Chor singt die Lieder Vær velkommen, herrens år – 2 Psalmen von N.F.S. Grundtvig, die es in zwei Ausführungen (eine zum ersten Advent, eine zum neuen Jahr) gibt

Darauf folgt Det er et yndigt land – Dänemarks Nationalhymne, die sogenannte Landeshymne sowie Kong Christians stod ved højen mast – Dänemarks königliche Nationalhymne, die bei offiziellen Anlässen zum Einsatz kommt.

Zwei Nationalhymnen – eigentlich praktisch, oder?

Hier könnt Ihr das Ganze hören:

Der Sprung ins neue Jahr

Ein Sprung ins neue Jahr – und zwar von Stuhl oder Sofa ist eine relativ neue Art, ins neue Jahr zu kommen.

Um zu vermeiden, zwischen das alte und das neue Jahr zu geraten, springt man Schlag zwölf einfach hinein. Mich erinnert dieser Brauch mit der Tradition, eine Braut über die Schwelle in ihr neues Zuhause zu tragen, da ich in diesem Zusammenhang mal davon gelesen habe, hier ginge es darum, die Braut davor zu bewahren, in einen Zustand zwischen unverheiratet und verheiratet zu geraten.

Also falls Ihr auch ins neue Jahr springen wollt – bitte vorsichtig! Für Ungeübte besteht da gerade in einer feucht-fröhlichen Silvesternacht durchaus Verletzungsgefahr!

Der Neujahrsdorsch

Der Neujahrsdorsch – auf Dänisch Nytårstorsk – ist seit dem 18. Jahrhundert Tradition, wurde aber oftmals noch von gekochtem Aal oder Klipfisk abgelöst. Heute ist Dorsch in Dänemark ein typisches Essen an Silvester. (Habt Ihr auch ein traditionelles Essen an Silvester?)

Seit 1977 verleiht die dänische Zeitung EkstraBladet den Preis Årets Nytårstorsk. Aus einer Vorauswahl wird der Glückliche von den Lesern des Blattes gewählt. Diese zweifelhafte Ehre wird natürlich meist Politikern zuteil, am häufigsten nominiert war Lars Løkke Rasmussen, Uffe Ellemann-Jensen darf den Preis am häufigsten sein Eigen nennen.

Die zehn Nominierten dieses Jahres findet Ihr hier.

Kransekage

Weitere kulinarische Tradition zum neuen Jahr ist der Kransekage. Sicher hat der ein oder andere von Euch diese pyramideartigen Marzipangebilde schon gesehen – und auch probiert?

Der Kransekage gilt als Symbol des Reichtums, da er oft serviert wurde, wenn die Oberschicht sich traf. Er ist mächtig süß, wird meist nicht aufgegessen und schmeckt am nächsten Tag nur noch trocken und fad – trotzdem hat man natürlich immer mehr als genug davon im Haus. Zumindest zum Jahreswechsel. Und frisch schmeckt er zu einem Gläschen Sekt wirklich gut!

Lärm in der Silvesternacht

Um böse Geister fernzuhalten oder fortzujagen, machte man früher Lärm – und das gerade in besonderen Nächten, zu denen die Silvesternacht seit jeher zählt.

In dieser Nacht ordentlich Krach zu machen, ist also eine sehr alte Tradition, der Lärm war allerdings früher ein anderer. Damals waren es Töpfe, auf die geschlagen wurde, später auch Jagdgewehre, aus denen gefeuert wurde. Heute sind es Knallerbsen (meine Lieblinge als Kind) und Feuerwerk.

Feuerwerk war allerdings auch schon früher beliebt – das erste größere Feuerwerk in Dänemark wurde anlässlich der Krönung König Frederiks II. im Jahre 1559 gezündet, fast 40 Jahre später, im Jahr 1596 zur Krönung Christians IV wurden 80000 Feuerwerkskörper abgefeuert.

Für Privatleute war es in Dänemark bis 1961 verboten, Feuerwerkskörper abzufeuern, auch wenn es bereits im 19. Jahrhundert möglich war, Feuerwerk zu kaufen.

Und was meint Ihr, warum der Korken der Champagner- und Sektflaschen am Silvesterabend besonders laut aus der Flasche ploppt? Genau! Auch dieses Geräusch soll uns im neuen Jahr vor den bösen Geistern bewahren.


Über die besonderen Nächte dieser Zeit könnt Ihr hier mehr erfahren

Was sind eigentlich Rauhnächte?


In alten Zeiten


Ein paar alte Bräuche sind inzwischen so gut wie verlorengegangen.

In alten Zeiten achtete man gerade zum Jaheswechsel auf Zeichen der Natur. War zum Beispiel der Himmel am Neujahrsmorgen rot gefärbt, verhieß das nichts Gutes: Womöglich drohte Unwetter, Pest oder Krieg. Sonne am Neujahrstag hingegen ließ auf ein besonders fruchtbares Jahr hoffen.

Auch bezüglich einer bevorstehenden Liebesgeschichte konnte man in der Silvesternacht einiges erfahren. Junge Frauen schlugen Punkt Mitternacht ein Eiweiß in einem Glas Wasser auf und ließen es über Nacht an ihrem Bett stehen. Sahen sie am nächsten Morgen eine Figur darin, war das ein Hinweis auf ihren möglichen Mann – sah sie zum Beispiel eine Art Amboss, würde sie einen Schmied heiraten.

Same procedure as every year, James

Last but not least ….gibt es auch ein Dänemark ein paar Bräuche zu Neujahr, die irgendwie universell scheinen. Dinner for One – wer kennt es nicht? Auch in Dänemark gehören diese 18 Minuten britischen Humors in vielen Familien zum Silvesterabend.

Genauso wie am nächsten Tag das traditionelle Skispringen in Garmisch Partenkirchen, das mittlerweile auch in vielen dänischen Familien die tømmermænd vetreibt.

Ein tømmermand ist eiegtnlich ein Zimmermann, hat man aber tømmermænd, also mehrere davon, bedeutet das, man hat einen Kater. Vom Feiern. Und das Bild der vielen kleinen Zimmerleute, die im Kopf rumhämmern, finde ich sehr schön.

Wollen wir hoffen, dass Ihr am Neujahrsmorgen keine Zimmerleute haben werdet! Und wie auch immer Ihr ins neue Jahr feiern werdet, welche Traditionen Ihr pflegt, Sendungen schaut, Ansprachen hört oder Leckereien Ihr zubereitet – kommt gut hinein ins neue Jahr!

Godt nytår!


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