Gastartikel: Der Dorfworker schreibt über Ferien am Lammefjord

Gastartikel: Der Dorfworker schreibt über Ferien am Lammefjord

Heute präsentiere ich Euch hocherfreut den ersten Gastartikel auf KAPIDAENIN.DE.  Dorfworker Steffen arbeitet und urlaubt in Dänemark und kennt sich bestens dort aus. Nebenbei schreibt er auch noch einen Blog, den Ihr Euch unbedingt auch mal ansehen solltet https://www.dorfworker.de/blog

Und jetzt viel Spaß auf Erkundungstour mit dem Dorfworker am Lammefjord!

 

 

Hallo Moin liebe Dänemarkfreunde. Als mich die Kapidaenin fragte, ob ich nicht mal einen Gastbeitrag schreiben wolle, war ich sofort Feuer und Flamme! Hier ist er nun! Eine Reise durch Westsjælland. Ich nehme euch mit durch eine der schönsten Regionen, die ich in Dänemark besuchen durfte. Aber zuerst machen wir einen Abstecher nach Kopenhagen. Keine Angst, ich langweile euch nicht mit der Meerjungfrau, Nyhavn oder Amalienborg.

1. Fælledparken

Wer jetzt einen Stadtbummel durch Kopenhagen erwartet, den muss ich leider bitter enttäuschen. Natürlich ist Kopenhagen eine
der schönsten Städte der Welt, gleich nach Hamburg. Die Meerjungfrau, Nyhavn, Stroget und Amalienborg sind doch auch schon bestens
dokumentiert. Wir wollten uns mit zwei kleinen Kindern einfach nicht dem Stress der Großstadt aussetzen. Aber so ein kleines
bisschen muss schon sein. Also hatte ich 3 Tickets für das Derby FC Kopenhagen gegen Brøndby IF geordert.
Das ist in etwa so wie Schalke – Dortmund oder Großenbrode gegen Heiligenhafen.
Den coolen alten Volvo haben wir im Parkhaus am Rigshospital abgestellt. Von dort führt der Weg durch den Fælledparken. Die größte
öffentliche Grünanlage im Stadteil Østerbro. Skaterpark, Trainingsplätze, einen See. Hier findet auch die traditionelle
1. Mai Kundgebung statt.

 

 

 

Im Park herrschte Familienfeststimmung, überall wurde sich gesonnt, gekickt und FCK Trikots
getragen. Väter trugen ihre Kinder auf den Schultern zum Stadion oder fuhren ihre Kumpels im Christiania-Bike zum Spiel.
Ein Hubschrauber knatterte fröhlich über dem Grün und Hundertschaften der Polizei saßen im Schatten ihrer Fahrzeuge,
in Erwartung der Dinge die da kamen.

 

Link

Faelledparken: https://www.visitcopenhagen.com/copenhagen/faelledparken-gdk965111

 

2. Das Spiel

Das Stadion, der Telia Park, befindet sich mitten im Park. Traditionelle Körperkontrollen wie in der Bundesliga muss man hier
nicht erwarten. Kurzer Griff unter die Arme und los geht die wilde Fahrt. Im Stadion war schon mächtig was los. Einige Brøndby
Ultras erklärten den Ordnern, was sie von ihnen hielten und wurden über den Zaun gezogen. Aber nicht ohne den Jungs freundlich ihre Jacke
hinterherzutragen.


Natürlich durfte auch Pyrotechnik bei so einem wichtigen Spiel nicht fehlen. Ein, zwei Bengalische Feuer flammten im Gästeblock auf. Die
obligatorische Unterlassungsansage blieb aus. Das Spiel konnte beginnen. Dachte ich. Mit dem Anpfiff verwandelte sich das
Stadion in ein Tollhaus. Auf dem gesamten Umlauf zogen sich Ultras ihre Masken über und tauchten das Stadion mit bengalischem Feuer
in Nebel.

Anstatt im Spielertunnel zu verschwinden, schob Brøndby eiskalt zum 0:1 ein. Die Stimmung war am Kochen. Beide Kurven hielten sich mit
allerlei Schmähgesängen und wechselnden Choreos bei Laune. Gezündelt wurde bis zum Abpfiff und Papadopolus hätte an dem Spiel seine wahre Freude gehabt. Ich hatte sie!
Natürlich ist es auch Gänsehaut pur, wenn Lotto King Karl „Hamburch, meine Perle“ singt und 54000 Menschen mitsingen, hier aber haben 25000 Leute, 90 Minuten für Gänsehautfeeling gesorgt.

 

 

Selbstverständlich ist das Abbrennen von Pyrotechnik auch in Dänemark verboten und zieht saftige Geldstrafen nach sich. Jedoch ohne das Problem
einzudämmen. Wie es anders geht, zeigen die Fans von Brøndby http://www.badische-zeitung.de/f-allgemein/daenischer-fussballverein-testet-harmlosere-pyrotechnik–134837437.html

 

3. Audebo

 

Nun hatten wir auch die Großstadt abgehakt. Ich machte mich abends auf die Umgebung zu erkunden und stieß auf den kleinen Ort Audebo.

 


Hier befindet sich der 2,4 km Audebodamm. Solltest du dein Klapprad mitgebracht haben, dann lohnt sich eine Fahrradtour auf jeden Fall. Selbstverständlich kommst du auch am Pumpenhaus vorbei und mit viel Glück, ist auch gerade Tag der offenen Tür und du lässt dir das gigantische Projekt „Lammefjord“ hautnah erklären.

Mitten auf dem Damm ist eine riesige Landkarte eingelassen, die man auch über Google Maps sehen kann. Aufgrund der neuen DSGVO binde ich hier mal lieber nicht die Karte ein, aber verlinke sie.
Natürlich kannst du auch wie ein Däne mit deinem eigenen Boot anreisen. Eine romantische Anlegestelle vom Lammefjord liegt gleich um die Ecke vom Pumpenhaus.

 

Audebo Pumpestation: http://audebopumpestation.dk

 

4. Fårevejle Stationsby

Weiter geht die wilde Fahrt auf dem Klapprad Richtung Fårevejle Stationsby. Immer an den Entwässerungskanälen entlang. Irgendwann triffst du eine kreuzt dein Weg eine Straße, aber nicht irgendeine. Eine schnurgerade Straße, die quer durch den trockengelegten Teil des Lammefjords führt.

 

Wenn du also schon immer mal davon geträumt hast, die endlosen Highways in den USA zu befahren. Das geht auch hier. Gleich um die Ecke!

In der Mitte liegt der kleine Ort Fårevejle Stationsby. Der Name leitet sich vom Bahnhof ab. Nach Trockenlegung des Fjords, wurde eine Eisenbahnstrecke (1899) und der Ort Fårevejle Stationsby auf einer ehemaligen Insel.

Im Ort findet sich die Schlossähnliche „Efterskole“ Odsherred. Eine Art Internat, in dem üblicherweise die 10. Klasse abgeschlossen wird. Zufällig stolperte die Dorfworker-Familie auf der Suche nach ihrem Auto über das Schulgelände und war mächtig beeindruckt.

 

5. Asnæs

Dabei waren wir doch eigentlich nur auf dem Weg nach Asnæs. Hier findet sich nämlich ein kleines aber beachtliches Feuerwehrmuseum. Mit typisch deutscher Pünktlichkeit, waren wir natürlich eine halbe Stunde vor Öffnung vor Ort. Machte aber nichts. Selbstverständlich trafen wir hier das erste Mal auf andere „Tyskerne“. Ebenso pünktlich wie wir!
Zum Glück gibt es einen liebevoll eingerichteten Spielplatz, der sofort Vorfreude auf das Museum macht.


Die Feuerwehr hatte Erbarmen mit uns und öffnete die Türen. Mit dem Hinweis, das man alle Knöpfe der offenen Fahrzeuge drücken dürfe aber unter keinen Umständen die Scheiben anfassen durfte, wurden wir losgelassen.
Das Museum beherbergt ein ordentliches Sammelsurium unterschiedlichster Fahrzeuge. Vom Rettungswagen bis zur Flughafenfeuerwehr findet sich hier alles.
Die kleinsten bewegen sich standesgemäß mit Rutschautos durch die Halle. Und wenn dann das Feuer in dir geweckt sein sollte, kann man sich vor der Halle als Feuerwehrmann an der Kübelspritze auszeichnen.


Zum krönenden Abschluss werden auch noch Rundfahrten im Feuerwehr-Oldtimer angeboten. Das war wirklich ganz große Klasse.

 

 

Brandmuseum: http://www.odsherredbrandmuseum.dk

 

6. Højderygstien

Auf der Fahrt im Feuerwehrauto habe ich auch gleich mal unseren nächsten Ausflug festgelegt. Der Højderygstien ist ein Wanderweg durch Odsherred. Auf dem Rücken der Erhebungen hat man fantastische Aussichten auf die Sejerø Bucht zum einen und auf der anderen Seite auf den Lammefjord. Natürlich sind wir nicht den ganzen Weg gegangen. Mit TE2 auf den Schultern wird das schon nicht mehr so einfach.
Wir haben uns standesgemäß einen Weinberg am Vejrhøj Vingård ausgesucht, um unsere Fahrzeuge zu parken. Die letzten zwei Kilometer zum dritthöchsten Punkt Sjællands lassen sich prima Spazieren.

Schon mal durch Weinreben auf die Ostsee geblickt? Nein? Dachte ich mir schon. Natürlich kannst du auch am Weinhof klingeln und dir eine Flasche für die Rückfahrt einpacken lassen.

 

Weiter führt der Weg, vorbei an letzten Ruhestätte des Lehnsbaron Zytphen-Adeler, der für die Eindeichung und Trockenlegung des Lammefjord verantwortlich war.

 

Durch den Wald führt der Weg immer höher, würden wir uns nicht in Dänemark befinden, man könnte meinen, wir wären im schönen Harz.
Der letzte Teil des Weges führt über landwirtschaftliche Anlagen zu einem Grabhügel und Aussichtspunkt über die Sejerø Bucht. In der Ferne kreuzen die Fähren von Sjællands Odde, im Süden die Nekselø Bucht und die Schornsteine von Kalundborg. Im Rücken wieder die Felder des Lammefjords.

 

https://www.visitodsherred.dk/vandresti/vandreruter/vandreture/odsherred/sjaelland/danmark/unesco-global-geopark-odsherred/hoejderygstien

 

 

7. Sjællands Odde

Sjællands Odde ist der letzte Zipfel von Westsjælland und war zu früherer Zeit eine Insel, die sich im Laufe der Zeit durch Landerhebungen mit Sjælland verband. Vom Odden Færgenhavn verkehren die Schnellfähren Richtung Åarhus und Ebeltoft.

 

 

Richtig Spannend wird es aber erst wieder im kleinen Ort Havneby. Fischerromantik pur. Draußen sitzen die Fischer standesgemäß mit der Dose Bier, im Hintergrund laufen die Fischkutter aus dem Kattegat zurück in den Hafen und im kleinen Hafenimbiss, beobachtet man das Treiben im Hafen ganz ungezwungen unter maritimer Einrichtung.

 

Ich wollte eigentlich gleich für immer bleiben. Na ja, okay. An den dänischen Ketchup müssen wir uns noch gewöhnen, aber das wird schon.
Nach einem Spaziergang auf der gewaltigen Mole des Hafens nimmst du den Fisch gleich mit. Im Fischladen ist die Auswahl riesig und Superfrisch! Der Räucherfisch ist genial. Egal in welcher Ausführung. Wenn du noch Zeit hast, kannst du am nahegelegenen Steinstrand auch noch ein paar Hühnergötter to-go sammeln gehen oder deine Füße in den Kattegat halten.

 

 

8. Odden Kirken Havneby

Auf der Fahrt zurück, kamen wir an einer Kirche vorbei, die ich so noch nicht gesehen hatte. Hoch oben auf dem schmalen Rücken von Sjællands Odde thront die Odden Kirke in grellem Rot. Eine Vejkirke wie ich sah. Eine Vejkirke muss verschiedene Kriterien erfüllen. Sie muss leicht zugänglich für Vorbeireisende sein, architektonisch und historisch interessant sein. Und natürlich müssen sie auch geöffnet sein. Besonders im Sommer. Angelehnt sind die Vejkirken, an die Autobahnkirchen in Deutschland. Warum sich die Kirch nun im strahlenden Rot präsentierte, ließ sich nich abschließend klären.

 

9. Die Karibik

Ich habe lange überlegt, ob ich über dieses besondere Eiland schreibe, meine Frau hat mir strikt untersagt, den Namen der Bucht zu nennen. Damit sie im nächsten Urlaub nicht von euch Dänemark-Verrückten völlig überrannt wird. Mit ein wenig detektivischem Gespür, einer Lupe und Inspektor Gadget Hut, solltet ihr sie aber finden.

Auf dem Weg über den Höhenzug von Sjællands Odde, präsentiert sich die Bucht in voller Schönheit von oben. Man hat das Gefühl gar nicht mehr in Dänemark zu sein. Irgendwie eher in Schottland, Karibik oder einer spanischen Insel im Atlantik.
Kurz entschlossen folgten wir dem Ruf der Bucht und kämpften uns durch den Wald, bis an den feinen Sandstrand. Der präsentierte sich äußerst Menschenleer. Das Wasser war warm, die Dorfworker-Familie war geschlossen angetreten. Befohlenes Baden in Klamotten. What? Das ließen sich die Kids natürlich nicht zweimal sagen und schon begann die fröhliche Planscherei.
Der äußerst flach abfallende Strand, eignet sich perfekt für Familienurlaube. Hier brauchst du nicht permanent Angst davor haben, das im nächsten Moment jemand von der Strömung verschluckt wird. Das entbindet aber niemanden von seiner Aufsichtspflicht!

10. Holbæk

Eine weitere tolle Stadt am Isefjord ist Holbæk. Hier flanierst du durch die Fußgängerzone, lässt die Mädels mit Geld im H&M zurück und setzt dich mit deinen Kindern in die coolste Eisbar die ich, bis jetzt gesehen habe. Durch die Fenster betrachtest du das Treiben in der Zone, schlürfst deinen Kaffee und lässt die Kids in der Spielecke toben.

 

Hier hat selbst die Toilette Style!

 

Im Hafen lässt du dich treiben und holst dir noch ein Fisch auf die Hand oder nimmst die Fähre nach Orø. Eine weitere Insel im Isefjord.
Den besten Ausblick auf Holbæk hast du aber von der anderen Seite des Holbæk Fjords, von Hørby Havn aus gesehen. Da liegt sie nun vor dir, im Sonnenuntergang und strahlt.

 

11. Der Steg

Und wenn du Abends mit wunden Füßen auf der Terrasse sitzt und die Sonne über dem Ufer des Fjords untergeht, sich die Findlinge in der Ostsee spiegeln und Fischer den letzten Fang ins Boot holen, dann ist das einfach der perfekte Urlaub!



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