Gækkebrev

Einen Gækkebrev zu versenden ist eine dänische Tradition zu Ostern.

Der Gækkebrev wird anonym versendet an Familie bzw. Freunde– wörtlich heißt Gækkebrev so etwas wie „Narrbrief“ von (at) gække – narren und (et) brev – Brief (allerdings gibt es auch die Auffassung, der Name des Briefes stamme von der Blume, die obligatorisch diesem Brief beigefügt wird, nämlich einem Schneeglöckchen – auf Dänisch vintergæk).

An Stelle des Absenders werden Punkte für jeden Buchstaben des Vornamens gesetzt (mit navn det står med prikker – mein Name steht mit Punkten).

Aber ein Gækkebrev ist nicht einfach nur ein Brief – es ist häufig ein sehr kunstvoll hergestellter Scherenschnitt aus Papier, auf dem der ein oder andere Vers geschrieben ist.

Der Empfänger hat nun drei Versuche, den richtigen Absender herausfinden – gelingt es nicht, muss er oder sie dem Verfasser des Briefes ein Osterei schenken.

Das Osterei als Geschenk taucht erst seit den 1870er Jahren auf, vorher durfte es auch eine Blume, ein kleines Fest, ein Kuss sein (verlangt man einen Kuss bei Nichterraten, muss man genau aufpassen, wem man den Gækkebrev schickt – nur als Hinweis!).

Aber natürlich ist auch das Osterei heute nicht mehr als Geschenk „festgelegt“, der Verfasser des nachfolgenden kleinen Verses möchte zum Beispiel viel lieber ein (Abend)essen samt Braten. Er oder sie spendiert auch den dazu passenden Wein (auch eine gute Idee!)

.og gætter du det ej

så må du gi til mig

en middag med en steg

så giver jeg dig vin

og vi vil få lidt grin

(…und errätst du es nicht / dann musst du mir geben / ein Abendessen mit einem Braten / dann gebe ich dir Wein / und wir werden was zu lachen haben)

Der älteste, bewahrte Gækkebrev stammt aus dem Jahr 1770 und war adressiert an Maria Hansdatter aus Odense.

Gækkebreve werden als Nachfolger der sogenannten bindebreve angesehen, die bis ins 18. Jahrhundert hinein an Namenstagen verschickt wurden und deren Tradition aus Deutschland stammte.

Schade, dass Briefe so aus der Mode gekommen sind…oder?

 

Text auf dem Bild:

Denne lille gækkegave, den er vokset i min have. Blomsten den er blevet din. Du er blevet gækken min indtil du betaler med æg af chokolade. Mit navn det må du gætte, jeg prikker blot vil sætte.

Möglichst wörtlich heißt das: Dieses kleine Narrgeschenk, das ist gewachsen in meinem Garten. Die Blume ist geworden dein. Du bist geworden mein Narr bis du bezahlst mit Eiern aus Schokolade. Meinen Namen musst du raten, ich setze bloß Punkte.

Natürlich habe ich Striche statt Punkten gemacht. Aber das ist eben hjemmelavet – selbstgemacht.


Related Posts

Den stille uge

Den stille uge

God påske heißt Frohe Ostern – ganz soweit ist es ja noch nicht und so ist noch genug Zeit, von ein paar dänischen Traditionen und Gebräuchen zu Ostern zu berichten. Am heutigen Palmsonntag startet die sogenannte stille uge oder auch dimmeluge. Es ist die letzte […]

Påskehare og Påskeliljer

Påskehare og Påskeliljer

Påskeharen – der Osterhase – kam aus Deutschland nach Dänemark. Bis in die 1920er Jahre hinein war der Osterhase praktisch nur in Sønderjylland sowie auf Langeland und einigen umliegenden Inseln zu sehen – damals allerdings fast immer dekorativ, zum Beispiel auf den Pappschachteln für die […]



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.