Eine Huskytour und warum ich jetzt Finnisch lerne

Eine Huskytour und warum ich jetzt Finnisch lerne

Es ist ja nicht nur so, dass ich wirklich ein Hundemensch bin (irgendwo las ich mal diese Unterscheidung – man sei (angeblich) entweder ein Hunde- oder Katzenmensch, nagelt mich nicht darauf fest, wo das nun war und ich weiß auch nicht, wie richtig oder falsch diese Einteilung ist) – aber ich bin also, möchte man denn in diesen Kategorien denken, ein Hundemensch.

Ich mochte Huskys schon immer – allerdings eben nur aus der Ferne. Zum einen, weil leider niemand aus meinem Bekannten- und Freundeskreis solch einen Hund besitzt, zum anderen, weil ich immer der Meinung war, Huskys seien Arbeitshunde, die wenig Wert auf Zuneigungsbekundungen legen – streicheln, kraulen, gut zureden also irgendwie nicht so angesagt sei.

Weit gefehlt – wie ich schon bei der Ankunft auf der Huskyfarm feststellte.

Huskysafari – Die Huskyfarm

Die Hunde – ob nun schon im Geschirr vor den Schlitten, vor ihrer eigenen Hütte oder in den sehr weitläufigen Gehegen – waren alle freundlich und zutraulich – um nicht zu sagen verschmust. Sie genossen es sichtlich, von uns Besuchern gestreichelt zu werden, auch ganz unabhängig vom Alter: Sowohl die fünf Monate alten Welpen, die Gesicht und Hände ableckten und mit ihren kleinen Zähnen anknabberten als auch durchtrainierte Powerpakete, die uns auf der späteren Schlittentour durch den tiefverschneiten Wald und übers Fjell wirklich in Erstaunen versetzten und die etwas betagteren Tiere mit angegrauter Schnauze, die hier auf der Farm noch voll integriert sind und zwar weniger, aber immer noch regelmäßig Touren laufen und ihre Aufgaben haben.

Ich kann mich kaum trennen von einem älteren Herrn – auch, weil er einfach toll ist – aber besonders, weil er sich derartig an mein Bein lehnt, dass ich befürchte, er fällt um, gehe ich einen Schritt zur Seite.

Schockfaliebt!!! In einen Alaskan Husky

Die Einweisung in die Handhabung des Schlittens ist recht kurz, aber einprägsam.
Slow down, when you’re insecure!
Slow down, when you’re going downhill so you’re not going to hurt the dogs! 
Keep distance to the sledge in front of you!
Never leave the sledge alone! – dazu die Demonstration, wie man wo auf dem Schlitten steht und – nicht ganz unwichtig – wo die Bremse ist.

Rauf auf den Schlitten und los!

Und dann geht es los!

Anfangs noch mit einem etwas mulmigen Gefühl – und erstmal bremse ich (soll ich ja machen, ich habe bei der Einweisung ja aufgepasst!).
Die Hunde, dich sich an diesem Morgen zum zweiten Mal auf diese Tour machen, preschen los – voller Power und Lebensfreude. Ziemlich schnell merke ich jedoch, wer hier aber eigentlich das Sagen hat, obwohl ich  als  Musher auf dem Schlitten stehe (mir auch alle Mühe gebe – und ich finde, ich mache das auch gar nicht so schlecht) : das sind die fünf, später sechs (ein Ausbildungshund kommt nach der Hälfte der Strecke hinzu) großartigen Huskys.

Traumhaft: Huskysafari

Sie versuchen ständig, mit mir in Verbindung zu treten, scheinen auf Kommandos zu warten. Die Tiere schauen sich um, geht es einen Hügel hinauf und ich schaffe es nicht, so viel Hilfe zu geben, wie sie es gewohnt sind (ihre Blicke schienen Hallo, gib mal Schub da hinten! zu sagen) oder ich bremse, um den Abstand zum vorderen Schlitten zu wahren und sie werfen mir einen fragenden Blick zu Was ist los? Warum bremst du?

Für verbale Kommunikation reicht mein Finnisch leider noch nicht aus (das wird beim nächsten Mal anders sein), die Hunde – so erfahre ich später – verstehen nämlich nur Finnisch und vielleicht sagen ihre Blicke ja auch  Was redet die da hinten eigentlich?

Noch lange nicht erschöpft nach unserer Tour

Aber in Wahrheit folgen die Hunde dem ersten Schlitten, dem mit ihrem wahren Musher drauf – mal ganz abgesehen davon, dass die Tiere natürlich alle ihre Strecke kennen.

Dass ich hier auf meinem Schlitten  irgendetwas lenken oder entscheiden könnte – auf den Kufen stehend, den Schlitten fest im Griff und Herrin über die Bremse – während ich mich von diesen tollen Tieren durch den tiefverschneiten Märchenwald ziehen lasse, ist also lediglich eine Illusion.

Eine anstrengende. Eine sehr, sehr schöne. Und eine, die ich unbedingt wiederholen möchte.

Ich komme wieder! Auch zu ihnen: Sibirian Huskies

Ich lerne nun also Finnisch und gebe dann bei meiner hoffentlich baldigen nächsten Huskysafari die Kommandos! Jawohl! (Und dass ich sie mag, das sag ich ihnen dann auch, den Huskys.)

Love at first sight


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