Bloggeplauder

Bloggeplauder

Im heutigen Bloggeplauder geht es um eine Klimaausstellung und den Massentourismus, auf dessen Entwicklung in Dänemark ein sorgenvoller Blick geworfen wird.

 

Liebe Bille,

vielen Dank für den Einblick in deine Erlebnisse und in die Stilblüten der dänischen Sprache <3

Ich knüpfe heute an die Thematik „Zufriedenheit der Dänen“ an. Dazu fallen mir nämlich zwei Zitate ein, die mich letzte Woche schmunzeln haben lassen.
„Wir arbeiten und dann freuen wir uns, dass uns Skat wenigstens ein bisschen was vom Lohn übrig lässt“ und „Wir Dänen sind das bescheidenste Volk der Welt.“

Der dänische Humor springt förmlich aus dem Bildschirm raus, nicht? Und doch steckt eine tiefe Wahrheit dahinter: Es ist wie es ist und es kommt wie es kommt.

Was aber bei Weitem nicht heißen soll, dass Dänemark perfekt ist. Es gibt hier sehr wohl auch ein Schildbürga und ich scheine dort zu wohnen!

Stell dir vor, das winzig kleine Städtchen Brønderslev (12000 Einwohner) sammelt eifrig Spenden, um eine 4,2 Millionen teure Ausstellung Climate Planet zu bekommen, die vorher in Kopenhagen, Aarhus und Bonn gewesen war. Wenn es nach dem Wunsch der Handelsvereinigung geht, soll hier im nächsten Sommer ein im Durchmesser 24 Meter riesiger Erdball zu bewundern sein. 4,2 Millionen, die an anderer Stelle eine gute Verwendung finden könnten…

Um das weltgrößte Abbild der Erde „kämpft“ die Stadt gleichzeitig mit Berlin. Und nun gilt es abzuwarten, wer hat als erster das Geld beisammen hat. Wäre ich sarkastisch, so sagte ich jetzt: „Joa, so ganz sicher ist das aber noch nicht, wer da gewinnt!“ Sag ich aber nicht 😊

Ich finde das einerseits schon saukomisch, aber andererseits nicht. Der Klimaplanet passte nämlich wirklich gut hierher. Wusstest du, dass in unserer winzigen Stadt das weltweit erste Biogas – Solarthermie – Kraftwerk steht? https://meermond.blog/2017/05/31/die-zukunft-beginnt-in-nordjuetland/.

Solarenergie und Solarthermie in einem Kraftwerk vereint mit Biogas – vor unserer Haustüre! In den vergangenen Jahren wurden sehr viele Windräder aufgestellt und ich kann beobachten, wie Dänemark sich anstrengt, den fossilen Energien den Rücken zu kehren.

Um mich herum beginnt quasi ein neues Denken Gestalt anzunehmen.

Da fällt mir noch was ein: Nächste Woche schaue ich mir in Aalborg die autonomen Busse an, die ich bisher nur aus Modellen kenne.

Es bleibt also spannend bei uns und ich freue mich schon auf alles, was da noch kommt.

Doch vorher hole mir ein paar bløde kinder im Garten, der nach fast dreiwöchigem Dauerregen regelrecht explodiert ist. Alles grünt und blüht, als wolle es sich erst einmal ausstrecken! Das Braun ist verschwunden und Nordjütland hat sich wieder beruhigt. Sowohl die Natur als auch die Menschen. Mit dem irre heißen Sommer sind nämlich viele Menschen ins Land und an die Küste gekommen. Ich beobachte mit Sorge eine Entwicklung, die hier einzusetzen beginnt: Massentourismus. Neben dem Klimawandel nimmt damit ein weiteres Themengebiet vor meinen Augen Gestalt an und es erschüttert mich, dessen Auswirkungen zunehmend SEHEN zu können. Überwiegend negative Folgen, die ich schon vor 20 an unzähligen Tafeln aufgelistet hatte.

Was wird Dänemark tun? Ich habe keine Ahnung, doch hoffe ich darauf, dass auch in Sachen Tourismus eine zukunftsweisende und –erhaltende Strategie vorliegen wird.
Glaubst du, dass der Weg zum sanften, entschleunigten Tourismus durchsetzbar sein wird?

Viele liebe Grüße,

Marion

 

Rubjerg Knude Fyr
Rubjerg Knude Fyr – neuerdings auch das Ziel von Kreuzfahrttouristen

 

Liebe Marion,

die Zeit rast und erst jetzt komme ich dazu, Dir zu antworten. Ich hoffe, es geht Dir gut und Ihr habt die ersten Herbststürme gut überstanden? Es waren ja bemerkenswerte Bilder, die Du vom Strand in Blokhus veröffentlicht hast…!

Ich bin sehr gespannt darauf, ob Brønderslev die Ausstellung Climate Planet erhalten wird – zu wünschen wäre es, finde ich. Einhergehen werden damit aber steigende Besucherzahlen Deines Heimatortes. Zumindest für eine begrenzte Zeit. Das hofft man für alle Organisatoren. Für Dich als Bewohner – und gerade in Hinblick auf das Thema, das Du zuletzt ansprachst – den Massentourismus – ist es vermutlich nicht besonders wünschenswert. Wie so oft gibt es immer zwei Seiten. Mindestens.

Bei meinem letzten Besuch bei Freunden im Norden Dänemarks kam genau dieses Thema zur Sprache: Massentourismus. Und genau wie die Freunde sehe auch ich mit etwas Sorge auf die Entwicklung, die man momentan in Dänemark beobachten kann. Wie Du ja sicher weißt, legen mittlerweile sowohl in Skagen als auch in Aalborg Kreuzfahrer an. Für mich ganz persönlich sind Kreuzfahrer wirklich der Inbegriff des Overtourism – hunderte, oft ja tatsächlich tausende, Menschen kommen morgens in einer Stadt, auf einer Insel oder einfach einem Hafen in einem tollen Gebiet an, überfluten Stadt, Insel oder Hafen förmlich und sind abends wieder verschwunden.

Wenn sie mit organisierten Touren unterwegs sind – wie es meist der Fall ist – werden sie in Bussen von A nach B nach C gefahren und wieder zurück. Die Kreuzfahrtgesellschaft zahlt ortsansässigen Unternehmen einen Festpreis – also Busunternehmen, Ausflugszielen wie z.B. Museen und Restaurants bzw. Cafés o.ä., falls eine Pause eingeplant ist. Und dieser Festpreis ist so gering, dass es sich für die Ortsansässigen nur lohnt, einen Bus voll Kreuzfahrttouristen zu verköstigen, wenn sie eben auch irgendetwas anderes kaufen. Andere Cafés, Kneipen oder Restaurants bekommen durch dieses Sytem wenn überhaupt nur einen geringen Bruchteil des großen Kuchens ab.

Ein Freund von mir hat nach einer Saison dieses heiß angepriesenen neuen Geschäftszweiges entnervt wieder aufgegeben. Die Touristen kauften eben nichts extra – was aus ihrer Sicht ja auch völlig klar ist. Erstens sind sie ja auf ihrer Reise an ganz vielen Orten und können nicht überall etwas kaufen (was sie dann in den meisten Fällen ja auch wieder mit dem Flieger nach Hause bringen müssen), zweitens haben sie für den Ausflug ja pauschal bezahlt und sehen die Notwendigkeit gar nicht. Nicht mal zu essen oder trinken müssen sie in dem Land, in der Stadt, in der sie sind etwas kaufen – an Bord werden sie ja voll verpflegt. Was ich auch irgendwie verstehen kann.

Mal davon abgesehen, dass diese Art des Urlaubs für mich persönlich überhaupt nichts ist – und das aus ganz vielen Gründen und nein, ich greife damit niemanden an, der gerne auf Kreuzfahrt geht! – ich denke, dass die Masse an Schiffen und Besuchern die Destinationen überfordert. Sowohl die Regionen als auch die Bewohner. Und nicht zuletzt auch all die Besucher, die eben nicht im Pulk unterwegs sind, sondern als Individualreisende.

Im Sommer, als ich gerade mal wieder durch das großartige Skagens Museum gestreift war und ich mir in der Bäckerei gegenüber en lille kage og kaffe gönnen wollte, konnte ich gerade noch den letzten Platz ergattern. Das an die Bäckerei angeschlossene Café war gerammelt voll – aber nicht wegen der guten Kuchen (ich bekomme Hunger), nein, sondern – Du ahnst es vielleicht – wegen FREE WIFI. Tja.
Am Tisch neben mir ein Paar, das mit seinem Sohn in Australien skypte:

“ We are in…in…it’s so beautiful…really…I forgot the name. It’s somewhere in Scandinavia.“

In diesem Sinne – ich esse jetzt Kuchen.

Kærlige hilsner fra din veninde Bille

 

Das Museum lohnt sich aber trotzdem. Jedes Mal wieder 🙂



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