Alle Jahre wieder: Ostern in Dänemark

Alle Jahre wieder: Ostern in Dänemark

Frohe Ostern heißt God påske – es ist schon wieder (fast) soweit und daher an der Zeit, von ein paar dänischen Traditionen und Gebräuchen zu Ostern zu berichten.

Palmsonntag und dumpfe Töne


Der nächste Sonntag ist Palmsonntag und mit ihm startet die sogenannte stille uge oder auch dimmeluge. Es ist die letzte Woche der Fastenzeit  – palmesøndag, skærtorsdag und langfredag fallen in diese Woche – und sie wird der Kirchentradition folgend in Stille verbracht (wurde sie zumindest mal) – daher der Name.


Als dimmeldage bezeichnet man die letzten drei Tage vor Ostern, an denen die Kirchenglocken nicht, beziehungsweise nur gedämpft, läuten durften. Der Name stammt von dem Holzklöppel (auf Isländisch heißt er dymbill und daher stammt die Bezeichnung), der genau aus diesem Grund häufig in die Glocken platziert wurde.
(Einigen Forschern zufolge ist auch das isländische dymbill ein Lehnwort aus dem Englischen und geht auf dump-bell , also eine Glocke mit dumpfem Ton, zurück.)

P-Dag und Osterhasen aus dem Süden

Habt Ihr schon das diesjährige Påskebryg probiert? Das Osterbräu ist in besonderes Bier, das zu Ostern vermarktet wird und in der Regel einen höheren Alkoholgehalt hat als normales Pilsener.

Påskebryg
Påskebryg


Das erste dänische Påskebryg wurde vermutlich um 1890 in der Thors Bryggeri in Randers gebraut und hieß Salvator. Carlsbergs erstes Osterbier kam 1905, Tuborgs 1906 auf den Markt – beide als Bier vom Fass – auf Dänisch fadøl (wörtlich: Fassbier).
Besonders auf Universitäten und höheren Schulen ist es mittlerweile Tradition (und diese wird immer populärer) – ähnlich dem J-Dag in der Weihnachtszeit – einen P-Dag zu feiern: den Tag, an dem das Osterbier des Jahres auf den Markt kommt. Ganz in der Tradition des Tages, an dem das Julebryg auf den Markt kommt (J-Dag), darf auch am P-Dag erst zu einer bestimmten Uhrzeit das neue Osterbier in Läden verkauft und in Kneipen und Restaurants ausgeschenkt werden.

Kein Ostern ohne Påskeharen – den Osterhasen. Der kam ursprünglich aus Deutschland nach Dänemark. Bis in die 1920er Jahre hinein war der Osterhase praktisch nur in Sønderjylland sowie auf Langeland und einigen umliegenden Inseln zu sehen – damals allerdings fast immer dekorativ, zum Beispiel auf den Pappschachteln für die Ostereier oder auf Postkarten mit Ostergrüßen (die aus dem „Süden“ eintrudelten).


Heutzutage ist der Osterhase aus Schokolade auch in Dänemark kaum wegzudenken und auch als derjenige, der die bunten Eier am Ostersonntagmorgen für die Kinder im Garten versteckt, ist er inzwischen fest gebucht. Die bunten Eier versteckt er natürlich unter den påskeliljer – den Osterglocken.

Ein Hauptakteur an Ostern: Osterhase
Ein Hauptakteur an Ostern: Osterhase

Schreib mal wieder – Osterbriefe

Eine ganz besondere Tradition ist der Gækkebrev, den man traditionell zu Ostern verschickt.


Ein Gækkebrev wird anonym an Familie bzw. Freunde versendet– wörtlich heißt Gækkebrev so etwas wie „Narrbrief“ von (at) gække – narren und (et) brev – Brief (allerdings gibt es auch die Auffassung, der Name des Briefes stamme von der Blume, die obligatorisch diesem Brief beigefügt wird, nämlich einem Schneeglöckchen – auf Dänisch vintergæk).
An Stelle des Absenders werden Punkte oder Striche für jeden Buchstaben des Vornamens gesetzt (mit navn det står med prikker – mein Name steht mit Punkten).
Aber ein Gækkebrev ist nicht einfach nur ein Brief – es ist häufig ein sehr kunstvoll hergestellter Scherenschnitt aus Papier, auf dem der ein oder andere Vers geschrieben ist.


Gelingt es dem Empfänger nicht, den richtigen Absender zu erraten, muss er oder sie dem Verfasser des Briefes ein Osterei schenken.
Das Osterei – påskeæg – als Geschenk taucht erst seit den 1870er Jahren auf, vorher durfte es auch eine Blume, ein kleines Fest, ein Kuss sein (verlangt man einen Kuss bei Nichterraten, muss man genau aufpassen, wem man den Gækkebrev schickt – nur als Hinweis!).

…man darf auch „middag og vin“

Aber natürlich ist auch das Osterei heute nicht mehr als Geschenk „festgelegt“, der Verfasser des nachfolgenden kleinen Verses möchte zum Beispiel viel lieber ein (Abend)essen samt Braten. Er oder sie spendiert auch den dazu passenden Wein (auch eine gute Idee!)
….og gætter du det ej
så må du gi til mig
en middag med en steg
så giver jeg dig vin
og vi vil få lidt grin
(…und errätst du es nicht / dann musst du mir geben / ein Abendessen mit einem Braten / dann gebe ich dir Wein / und wir werden was zu lachen haben)
Der älteste, bewahrte Gækkebrev stammt aus dem Jahr 1770 und war adressiert an Maria Hansdatter aus Odense.

Gækkebreve werden als Nachfolger der sogenannten bindebreve angesehen, die bis ins 18. Jahrhundert hinein an Namenstagen verschickt wurden und deren Tradition aus Deutschland stammte. Schade, dass Briefe so aus der Mode gekommen sind…oder?

Der Gaekkebrev
Muss man mal ausprobieren: Gaekkebrev


Denne lille gækkegave, den er vokset i min have. Blomsten den er blevet din. Du er blevet gækken min indtil du betaler med æg af chokolade. Mit navn det må du gætte, jeg prikker blot vil sætte.
Möglichst wörtlich heißt das: Dieses kleine Narrgeschenk, das ist gewachsen in meinem Garten. Die Blume ist geworden dein. Du bist geworden mein Narr bis du bezahlst mit Eiern aus Schokolade. Meinen Namen musst du raten, ich setze bloß Punkte.

Skærtorsdag – Neun Kohlsorten und ein Feiertag


Der Donnerstag der Stillen Woche wird Skærtorsdag genannt.

Laut der Bibel war es der Tag des letzten Abendmahles und der Fußwaschung. Skær bedeutet „Reinigung“ und kommt auch in dem Begriff skærsildenskær – Reinigung, (en) ild – (ein) Feuer), deutsch: Fegefeuer – vor.
Der Skærtorsdag ist in Dänemark ein Feiertag – wie zum Beispiel auch in Norwegen und Island (nicht ganz unwichtig für alle Urlauber!).
In einigen Landesteilen war es üblich, am Skærtorsdag Kohlsuppe zu essen – und zwar sieben bzw. neun unterschiedliche Sorten Kohl.
So viele Kohlsorten hatte man aber nicht immer zur Verfügung (kenne ich überhaupt so viele?) und deshalb wurde auch auf Brennesselblätter oder Grashalme (!) zurückgegriffen.
Kohlsuppe wirkt auf uns heute vielleicht etwas nüchtern, ist aber sehr nahrhaft und sieben bzw. neun verschiedene Sorten aufzutischen, galt als etwas ganz Besonderes.

Sieben bzw. neun verschiedene Kohlsorten waren es, da diesen beiden Zahlen ganz besondere Symbolik zukommt.

Soleier - eingelegt mit roten Zwiebeln - köstlich
Soleier – eingelegt mit roten Zwiebeln – köstlich

Langfredag – Zahnschmerzen und Roggenmehlgrütze

Der Freitag der Stillen Woche ist der Langfredag – der Karfreitag. In einigen Gegenden Dänemarks aß man in früherer Zeit an Karfreitag einen Apfel, was vor Zahnschmerzen und Fieber schützen sollte (leider konnte ich nicht herausfinden, woher dieser Glaube stammte, ich bin aber geneigt, einen Apfel zu essen, schützt er mich denn vor Zahnschmerzen).
Typische Mahlzeit an Langfredag war jedoch Roggenmehlgrütze mit Honig – rugmelsgrød med honning. Dazu wurde Roggenmehl mit etwas Wasser oder Milch (am besten Buttermilch) glatt gerührt und dann mit Wasser oder (Butter)milch aufgekocht – 200g Mehl auf 1 Liter Flüssigkeit. Als Süßungsmittel wurde Honig hinzugegeben.

Påskelørdag – schmutzige Eier und der weltbeste Osterzopf

Auf Langfredag folgt Påskelørdag – Ostersamstag. Dieser Tag wurde früher auch Skidenlørdag (skiden bedeutet schmutzig) genannt, da am Samstag vor Ostersonntag geputzt und gewaschen wurde und – und das ist auch heute noch beliebt und weit verbreitet – skidne æg gegessen wurden. Und diese skidne æg – also „schmutzige Eier“ – sind nichts anderes als hartgekochte Eier in Senfsoße. Sehr lecker!
Påskelørdag ist aber auch der Tag, an dem gebacken wird: Kuchen, Osternester, Osterhasenfiguren für die Kinder und – für mich am wichtigsten – der Osterzopf. Wenn der abends dann noch warm in der Küche steht, gibt es kaum jemandem, der dieser Versuchung widerstehen kann.


Und weil bald Ostern ist, verrate ich hier das beste Osterzopf-Rezept der Welt, das ich – natürlich – von meiner Mutter habe.


Das braucht man:
650 g Mehl
40 g Zucker
2 TL Salz
25 g Hefe, frisch
0,4 l Milch, leicht erwärmt
30 g Butter oder Margarine, leicht geschmolzen

Und so geht’s:
Mehl in eine Schüssel sieben, Hefe in eine Mulde zerbröseln, Zucker, Salz und Milch dazugeben – langsam verrühren. Zum Schluss die Butter hinzugeben. Mit Knethaken oder den Händen verkneten. Zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen. (Er sollte mindestens doppelt so groß werden!) Dann nochmal durchkneten, in drei Teile teilen, jedes zum Strang formen und auf einem großen Blech einen Zopf flechten (diagonal legen).
Wieder an einem warmen Ort gehen lassen.
Ein Ei verquirlen und in einer zweiten Tasse etwas Milch und Zucker verquirlen, den Zopf vor und während des Backens mehrmals damit einpinseln. Erst mit Ei, dann mit Milch/Zucker.

Bei 190-200 Grad ca 50 Min backen.

Ohne ihn kein Ostern: Der Osterzopf. Wie früher.
Ohne ihn kein Ostern: Der Osterzopf. Wie früher.

Påskesøndag – Påskehygge und Solæg


Nachdem man nun Samstag in der Küche rumgewirbelt ist, folgt der Påskesøndag, den man meiner Meinung nach am besten mit einem reichhaltigen Frühstück mit Familie und/oder Freunden startet.
Und unabhängig davon, was man sonst noch alles anbieten möchte, Osterzopf und Soleier – solæg- müssen auf jeden Fall dabei sein.
Die „richtigen“ Soleier, die mehrere Tage in Salzlake eingelegt wurden, kenne ich nur noch aus der Kindheit – heute werden auch die hartgekochten, bunten Eier bei uns als Soleier bezeichnet und so gegessen: Die Eier pellen, halbieren und das Eigelb herausnehmen. Dann wird das Ei gefüllt mit Essig, Öl, Salz, Pfeffer und Senf, Eigelb wieder locker drauflegen und ab in den Mund. Ein Festmahl! Jedes Jahr wieder!

Påskeæg - gefärbt mit roter Bete
Påskeæg – gefärbt mit roter Bete


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