Bovbjerg Fyr

Bovbjerg Fyr

Im kleinen Café herrscht bereits geschäftiges Treiben – einige der Tische wurden zusammengeschoben, damit die kleinen Grüppchen einen Platz fanden; im Wintergarten sitzen mehrere Pärchen an Zweiertischen. Frauen in langen Schürzen tragen Kaffeekannen und köstlich angerichtete Teller an die Tische. Ich bahne mir meinen Weg durch den mit Funktionsjacken bestuhlten Raum und ergattere den Tisch am Fenster, der nur noch zur Hälfte im Schatten liegt. Hinter der Fensterscheibe ahnt man trotz der Minusgrade draußen schon die Kraft der Januarsonne.

Ich befinde mich im Café des Bovbjerg Fyr (Bovbjerg Leuchtturm). Das Café, das in der ehemaligen Leuchtturmwärterwohnung untergebracht ist, eröffnet heute wieder die Saison. Auf dem Plan stehen Brunch und eine Vernissage.

Der niedrig anmutende Leuchtturm von Bovbjerg fällt vor allem durch seine markante rote Farbe auf, diese sollte ihn von den beiden nahegelegenen weißen Kirchtürmen in Ferring und Trans abheben, die vorher zur Orientierung der Seeleute dienten. Bovbjerg Fyr wurde 1877 erbaut, er ist nur 26 m hoch , seine Leuchtfeuerhöhe beträgt jedoch 62m und mit seiner 300W Halogenlampe und original Fresnel-Linse ist er bei klarer Sicht 16 Seemeilen weit zu sehen. Als der Turm errichtet wurde, war er einer der ersten an der Westküste Jütlands – von Sylt bis Hanstholm gab es keinen Leuchtturm.

Auf Bovbjerg Fyr gab es drei Angestellte: Leuchtturmwärter sowie ersten und zweiten Assistenten. Alle drei lebten mitsamt ihren Familien in den beiden Häusern, die noch heute jedes auf einer Seite des Hofplatzes liegen. Angestellte eines Leuchtturmes befanden sich im Staatsdienst, der Leuchtturmwärter war eine angesehene Persönlichkeit in einer Gemeinde. Als zweiter Assistent konnte man zum ersten Assistenten und letztlich sogar Leuchtturmwärter aufsteigen – wenn man seine Sache gut machte.

Bovbjerg Fyr wurde 1965 automatisiert und erst 2003 verließen die letzten Angestellten den Leuchtturm. In diesem Jahr bildete sich auch eine Gruppe von Ehrenamtlichen, die sich für die Übergabe des Leuchtturmes in lokale Hände einsetzten, was vier Jahre später endlich erfolgreich war.

Seit 2007 gehört Bovbjerg Fyr dem Fond Bovbjerg Fyr und wird von insgesamt 130 ehrenamtlichen Mitarbeiten betrieben. Nach umfassender Renovierung wurde der Turm 2014 wiedereröffnet und heute zählt Bovbjerg Fyr jährlich rund 40000 Besucher – das Programm, das hier rund ums Jahr geboten wird, ist vielfältig: Kunstausstellungen, Konzerte, Vorträge, Theateraufführungen, Lesungen, aber auch Naturführungen, Handarbeitsabende und sportliche Veranstaltungen.

Auch der Turm, der über 93 Stufen bestiegen werden kann (dann folgt noch eine schmale Eisenwendeltreppe) zieht Besucher an. Von der umlaufenden Aussichtsplattform hat man eine hervorragende Aussicht über den nahegelegenen Ferring Sø, die Orte Ferring und Vejlby Klit sowie Trans. Und natürlich über das Meer und die schroffe Steilküste.

Nicht zuletzt ist das so liebevoll betriebene Café Anziehungspunkt. Hier gibt es neben kalten und warmen Getränken hausgebackene Kuchen und kleine Frokostgerichte, hergestellt aus regionalen Lebensmitteln. Kleine Köstlichkeiten und Besonderheiten aus der Umgebung werden außerdem zum Verkauf angeboten: von Marmeladen und Säften über Seife, Postkarten, Bücher bis zu Artikeln aus der nicht weit entfernten Hornwarenfabrik. Informationen und Literatur zu laufenden Kunstausstellungen sind ebenfalls immer erhältlich. Im Sommer – dahin schweifen meine Gedanken an diesem kalten, aber sonnigen Morgen ab – kann man sich auch in den schönen Garten setzen und dort im Schatten bei Meeresrauschen einfach das Dasein genießen.

Heute ist – wie öfter zu besonderen Anlässen wie zB einer Vernissage – Brunch und nach einem Teller äußerst leckerem Getreidebrei mit Beeren und Nüssen wird ein echter dänischer Brunchteller serviert, der keine Wünsche offen lässt.
Das Café ist mittlerweile bis auf den letzten Platz gefüllt – gefühlt ist das ganze Dorf hier – und auch der Künstler, dessen Werke hier ausgestellt werden, ist samt Familie eingetroffen und sitzt am Tisch gegenüber. Auch sie lassen sich den Brunch hier nicht entgehen.

Ich beim nächsten Mal bestimmt auch nicht.

 



1 thought on “Bovbjerg Fyr”

  • Ich war auch mal da, und es war toll. Nicht nur das Essen, die Stimmung war so locker, so heiter. Auf den Turm zu klettern fiel mir ganz schön schwer mit vollem Bauch. Vielleicht komme ich wieder, dann gehe ich vorher die gefühlten 300 Stufen hoch.

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